Dabei fragt Ihr Euch vermutlich, was es mit diesem Akaroa so auf sich hat, wo es hier seit Tagen nur Akaroa hier und da heisst.
Dafuer springe ich wieder einmal Millionen von Jahren zurueck – das hatten wir doch schon lange nicht mehr, oder? Ich mache es aber kurz und mit einem Bild, das mehr als 1000 Worte sagt. Das ist die Banks Halbinsel, vor Millionen von Jahren eine Vulkaninsel, bis es einmal zu oft kawumm ging und der Krater entstand, der jetzt diese tolle, grosse Bucht namens Akaroa Harbour formte. Die Fluesse aus den Southern Alps schwemmten Material an, und so wurde aus der Insel eine Halbinsel. Selbige liegt sued-oestlich von Christchurch, und ihre groesste Siedlung ist besagtes Akaroa.
Akaroa selbst hat eine ganz „huebsche“ Gruendungsgeschichte: 1840 kam ein Schiff mit rund 50 Franzosen geschippert, die auf der Halbinsel eine Kolonie fuer die franzoesische Krone gruenden wollten. Doch die Briten hatten mittlerweile den Vertrag von Waitangi mit den Maori geschlossen, der ganz Neuseeland zur britischen Kolonie machte, und als sie hoerten, dass das Schiff unterwegs war, schickten sie kurzerhand die HMS Britomart los und hissten die englische Flagge zur „Begruessung“ der neuen Siedler.
Nun, selbige blieben trotzdem und gruendeten die franzoesische Siedlung Akaroa, ein bisschen weiter siedelten die Briten, und irgendwie lebten sie doch ziemlich friedlich nebeneinander her. Was blieb, sind ein Haufen franzoesischer Strassennamen (Rue Lavaud, Rue Jolie, Rue Benoit) und die Tatsache, dass die Halbinsulaner jetzt gross auf „Riviera Neuseelands“ machen. Unser Backpacker z.B. nannte sich „Chez la Mer“, gespeist haben wir z.B. im Maison Deli usw. Alles Theater, franzoesisch spricht dort kein Mensch, zumindest waere es mir nicht aufgefallen, aber es wirkt ja doch: Auf einmal kommt Riviera-Stimmung auf.
Und das, obwohl, wie ich bereits erwaehnte, das Wetter zunaechst nicht passte. Als wir ankamen sowieso nicht, und auch am naechsten Morgen war es bedeckt und ueberzeugte uns nicht. Also pfiffen wir auf Bootstour und 2 1/2 Stunden-Walk, gingen stattdessen bummeln, gut essen, einkaufen, aehm. Tja. Akaroa hat einige nette Shops, und es wurde doch ein bisschen, was ich so kaufte. Vielleicht auch ein bisschen mehr. Peu importe, veut dire: egal!
Aber am naechsten Tag, da passte das Wetter, da war der Himmel strahlendblau, und die Sonne schien, und so fuhren wir mit dem Segelschiff Fox II auf eine Wildlife Cruise. Wildlife? werdet Ihr vielleicht jetzt fragen, ja, Wildlife! Denn: In Akaroa leben Hector’s Dolphins, und da faellt mir ein, das habe ich, glaube ich, sogar schon einmal erwaehnt, die kleinsten Delphine der Welt, und Dolphin Cruises oder auch Swimming with the Dolphins ist dort die Nummer 1 Touristen-Aktivitaet. Auf das Schwimmen habe ich verzichtet, Karin wollte ohnehin nicht, es haette mehr als 2 x so viel gekostet, dafuer, dass mir u.U. einfach nur kalt ist und die Delphine mir moeglicherweise etwas pfeifen, da schaute ich sie mir lieber vom Schiff an.
Und was soll ich sagen: Wir waren wieder einmal Gluecksschweine sondergleichen. Kaum aus der Bucht draussen, wurden wir auch schon auf Delphine aufmerksam gemacht. Gut, ich sah zunaechst einmal gar nichts, dachte mir nach verzweifeltem Schauen schon: Super, wieder einmal eine Cruise, bei der alle die Viecher sehen, nur ich nicht, die sind einfach zu klein fuer meine Augen. Aber dann waren es so viele – zwischen 10 und 20 – und so nahe, dass sogar ich sie gesehen habe, und dann sind auch gleich 2 x hintereinander zwei Delphine richtig weit aus dem Wasser gesprungen, das war ueberhaupt ganz toll.
Sie sind dann ewig um unser Boot rumgeschwommen: So lange wir gefahren sind (uebrigens mit Motor, Wind war kaum), sind sie vor dem Bug hergeschwommen, keine Ahnung, warum sie das tun: Koennen sie dann schneller schwimmen, oder ist es eine Art Sport, der Versuch, selbst schneller zu sein als das Boot (was sie sind!): Es schaut auf jeden Fall aus, als ob es ihnen richtig viel Spass macht.
Und als wir den Motor abgedreht haben und uns einfach treiben liessen, da waren sie vorne, hinten, an der Seite, immer und immer wieder kamen sie ran, tauchten auf, man hoerte und sah ihr Ausatmen durch das Blasloch oben, richtig hautnah. Ich sass eine Zeitlang am Heck und liess meine Hand Richtung Wasser haengen, mangels Armlaenge, ich bin halt kein Orang Utan, hing meine Hand etwa 30 cm ueber dem Wasser, aber haette ich die Armlaenge gehabt, ich haette sie beruehren koennen, sie waren da!
Soll ich noch erwaehnen, dass mir wieder einmal die Traenen in die Augen gestiegen sind? Verdammt, ich habe wirklich ziemlich nah am Wasser gebaut, wenn ich etwas schoen finde, absolut keine Ahnung, von wem ich das habe (… hier die Ouverture von Les Miserables spielen, der, dem die Traenen in die Augen steigen, ist mit mir verwandt und koennte etwas damit zu tun haben
)
Nach der Bootsfahrt machten wir uns dann langsam ueber den Summit-Drive, das ist die lange Strasse ueber alle Gipfel statt der kuerzeren ueber einen Pass, auf den Weg nach Christchurch.
Und, wie soll ich sagen: Der Blick auf den Akaroa Harbour (so heisst uebrigens die ganze Bucht, nicht nur der tatsaechliche Hafen von Akaroa) ist wirklich ziemlich schoen, und beim Losfahren wollten wir auch ununterbrochen stehenbleiben, um ihn zu geniessen, aber irgendwie sieht man sich auch relativ bald satt daran. Es ist erstaunlich, wie ein Blick gleichzeitig so plastisch und flach wirken kann. Ueberhaupt ist es mit der Landschaft der Banks Halbinsel so eine Sache: Es ist einfach eine ziemlich ausgeraeumte Landschaft, weil die Siedler im 19. Jh. so ziemlich alles gerodet haben, um ihre Viecher weiden zu lassen (und damit es so aussieht wie zu Hause); haben aus England ihren Stechginster mitgebracht und ausgewildert, und das ist ueber weite Strecken das Einzige, was auf den Weiden waechst – und das gibt auf Dauer nicht viel her. So richtig zum Wandern laedt die Landschaft also nicht ein, es gibt auch nicht allzuviele Walks, weil fast alles Land in privater Hand ist, und sogesehen hat das Durchfahren dann auch ganz gut gereicht.
Und das waer’s dann mit Natur gewesen, aber wir wollten dann doch nicht 3 volle Tage in Christchurch verbringen, und der heutige Ausflug ergab sich eigentlich zufaellig: Irgendwann wartete ich auf Karin und schaute nur so auf ihre grosse Neuseeland-Karte, was denn so halbwegs in Tagesauflugsnaehe von Christchurch liegen koennte. Und da stach mir ein „Rakaia Gorge Walkway“ ins Auge. Gorge heisst Schlucht, und da werde ich grundsaetzlich einmal hellhoerig. Also haben wir versucht, etwas ueber diesen Walk rauszubekommen, haben im Visitor Centre von Akaroa gelesen, dass der Weg 3-4 Stunden dauert und schoene Ausblicke verspricht. Und zufaellig sah ich dann noch eine Ansichtskarte, die mich ansprach, drehte sie um, und da stand „Rakaia Gorge“ drauf. Und so haben wir beschlossen, da heute hinzufahren.
Und was soll ich sagen: Der Weg war’s wirklich wert! Insgesamt waren wir 4 Stunden wandernd unterwegs, der Weg war nur maessig anstrengend, aber doch so, dass wir nachher merkten, dass wir hinauf- und hinuntergegangen sind. Wir wanderten an einem Bergruecken ziemlich weit oben am Rakaia River mit Blick auf selbigen entlang. Dazu sollte ich noch erwaehnen, dass Fluesse auf der Suedinsel Neuseelands wirklich sehr, sehr viel Platz zugestanden bekommen. Ein breites Bett aus weisem Kies, mittendrin maeandert tuerkis-blau der Fluss, am Rand des Flussbetts entweder steile Klippen, oder mehr oder weniger bewachsener Hang, und zusaetzlich thronte in der Ferne der Mount Hutt, und die Landschaft dorthin wellte sich in verschiedenen Gruens.
Und diese Ausblicke hatten wir quasi die ganze Zeit vor uns: Heute mussten wir nicht Hauptstaedte der afrikanischen oder asiatischen Laender wiederholen um uns davon abzulenken, dass wir gehen (habt Ihr geglaubt, Singen waere das Schlimmste, was wir uns bei unseren Wanderungen so geben?), das Gehen passierte voellig von selbst, waehrend wir in die grandiose Aussicht versunken waren. Ich erwaehne gar nicht, dass der Tag so strahlend war wie vorhergesagt: Ein wirklich wuerdiger letzter Walk in Neuseeland, und wildlife-technisch haben sich heute Faecherschwaenze (Faintails), das sind natuerlich auch Voegel, hautnah eingestellt; auf Ulva Island hatten wir die nur 1 oder 2 x von der Ferne gesehen.
Und um auszunutzen, dass wir heute noch unseren Querci zur Verfuegung hatten, haben wir am Abend noch die Gondelfahrt auf … irgendeinen Huegel … bei Christchurch angehaengt, genau bei Sonnenuntergang, und sind so auch endlich noch zu einem schoenen neuseelaendischen Sonnenuntergang gekommen: sozusagen auf feuchter Spur, an unserem vorletzten Abend.
Tja, was soll ich sagen: Das war’s dann schon so ziemlich. Morgen wollen wir schon unsere grossen Rucksaecke zum Flughafen bringen! Es wird wirklich ziemlich endlich, und jetzt braucht uns auch niemand mehr zu erzaehlen, dass wir uns das nur einreden. Wir sind definitiv im Anrollen!
Hier hingegen ist’s noch nicht aus: Karin bereitet noch ein oder zwei Fotoschauen vor, und ich schulde Euch ja auch noch einen Beitrag ueber unsere bemerkenswertesten und besten Unterkuenfte. Also: Stay tuned!
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Hallo Mädels,
schön, daß jetzt wieder ganz regelmäßig was zum Lesen kommt!
Übrigens, ich hab das gekriegt, in nem großen grau-roten Sackldings, wo was von Akawanga oder so ähnlich drauf stand, und da war ein Kistchen drin und auf dem Kistchen war ein Kärtchen, das mir einen wirklich herzlichen Lachanfall beschert hat.
Gaanz Dickes Bussi aufs Bauchi dafür.
Und auch, wenn Ihrs nicht hören wollt, ich freu mich schon, daß Ihr bald wieder da seid.
LG
M.