Arthur’s Pass

Maedels, Burschen, Zwetschkenroester, Ihr koennt aufhoeren, uns zu beneiden – wir sitzen hier in Arthur’s Pass, auf 1000 m Seehoehe und frieren uns unsere Allerwertesten ab. Wir sind also nicht nur in Gedanken bei Euch sondern frieren gerade solidarisch mit Euch ;-)

Ich uebertreibe natuerlich, tue ich bekanntlich gerne. Aber nur ein wenig, Tatsache ist, meine Finger sind eisig kalt. Was jetzt, genaugenommen, nicht viel besagt, denn meine Finger sind bald einmal kalt.

Also, zur Sache: Wir sitzen hier in Arthur’s Pass in einem Interet-Cafe der ganz besonderen Art. Wir waren auf dem Rueckweg von unseren ersten zwei Wanderungen des heutigen Tages (dazu spaeter), da sahen wir ein Schild: The Sanctuary Accomodation and Internet Cafe, open 24 hours. Nur, damit Euch klar ist, wovon wir bei Arthur’s Pass sprechen: Wir sprechen hier von einem, tut mir leid, ich muss wieder einmal das Wort Kaff verwenden, also: Kaff von 54 Einwohnern, das aus ziemlich genau einer Strasse besteht. Dieses Bild zeigt so ziemlich das komplette Dorf. Also nicht wirklich die Metropole, in der Frau mit einer Lokalitaet rechnet, die rund um die Uhr geoeffnet ist.

 Neugierig haben wir also diesen Holzschuppen umrundet, und unter einem Wellblech-Vordach fanden wir zwei Tueren: Eine geradeaus in einen Schlafsaal mit Bunk-Betten um 15 $, und eine nach links in einen vielleicht 5 x 2m grossen Raum, in dem die Laengswand entlang 6 Flachbildschirme stehen. Die Computer selbst sind oebendrueber in einem Einbaukasten versteckt. An der Wand ein Schild mit der Info, dass das Internet 5 $/Stunde oder 2 $ fuer 20 Minuten kostet und nach dem, und jetzt kommt’s!, Honesty-Prinzip abgerechnet wird. Sprich: An der Wand haengt eine Box, die Honesty-Box, und man wirft einfach, wenn man fertig ist, das Geld ein. Zitat von dem Zettel: „The Honesty Box system must work. The alternative is having coin meters and the automated credit card system. I do want to avoid installing such a system here. Goodwill is important. I prefer this more friendly und trusting approach.“

Eigentlich wollten wir nur kurz nachschauen, ob Ihr schon kreativ wart, was die Jafas und die Loopies sein koennten – way to go, Kassandra, Karin und ich haben Traenen gelacht! Und Ihr anderen – wirklich keine Ideen? Wir loesen noch nicht auf, wir warten noch auf weitere Ideen. Und wir freuen uns zu hoeren, dass unsere Ansichtskarten doch eintreffen, obwohl wir sie am Anfang definitiv regelmaessig in falsche Postkaesten geworfen haben.

Auf jeden Fall hat Karin auch noch in ihre Notfall-Email-Adresse fuer die Firma geschaut, und da war bloederweise tatsaechlich ein Hilferuf drin – jetzt sitzen wir doch schon laenger als die geplanten 10 Minuten hier. Aber egal, es ist ja erst 15 Uhr, und wir haben nur noch einen Walk vor: 30 Minuten einen der Berge hier rauf; eigentlich waere das ein 8 Stunden-Weg hin und zurueck, aber im Visitor-Center steht, wenn man 30 Minuten hinaufsteigt, hat man auch schon einen sensationellen Ausblick, und so haben wir beschlossen, das noch zu tun: Wir steigen einfach so lange hinauf, bis das Schwitz-Stoehn / Belohnungs=Aussichts-Verhaeltnis in einem vernuenftigen Verhaeltnis zueinander steht.

Genaugenommen wollten wir das ja schon gestern tun, aber als wir gestern hier in Arthur’s Pass eingetroffen und unser Quartier bezogen hatten, dabei entdeckt hatten, dass es einen gemuetlichen Holz-Ofen, zwei Luemmel-Sofas davor und Reader’s Digest-Auswahlbuecher gibt, beschlossen wir nach einem kurzen Bummel durch den Ort, dass wir eigentlich lieber vor dem Ofen luemmeln wollten. Es war gestern auch ziemlich windig und wir von unseren kleineren Spaziergaengen unterwegs schon eher durchfroren, zog ausserdem oben doch schon ein wenig zu, und die Wettervorhersage fuer heute war praechtig. Also haben wir uns gestern ein Feuerchen im Ofen gemacht; wenn man Maenner braucht, sind ja nie welche da, vor unserem Spaziergang in den Ort hatten wir gehofft, dass schon ein Feuer brennen wird, wenn wir wiederkommen, aber schmecks. Spaeter am Abend, als es schon kuschelig warm war, tauchten dann 3 Singaporesen auf, die am Samstag auf der Nordinsel den Ironman absolviert hatten. Wirklich sehr beeindruckend, dass sie 3 km schwimmen, 120 km Radfahren und dann noch einen Marathon laufen koennen, aber, hier jetzt ein Hinweis fuer alle hier mitlesenden Mannsbilder: Darum kann sich frau nichts kaufen. Ein gut geheizter Raum, damit kann man ein Frauenherz gewinnen. Diese drei hatten also Pech bei uns, auch ihre Kochkuenste haben uns nicht ueberzeugt (sie standen eine Viertelstunde lang ziemlich lautstark in der Kueche ‘rum, nachher roch es eher verbrannt, auch sie selbst blickten eher angeekelt auf ihre Teller, und saemtliche Geschirrtuecher waren waschelnass).

Ja, und also heute: Wir sind eher spaeter aus dem Haus gegangen, weil es draussen ziemlich frisch war. Karin, die treue Seele, hatte in der Frueh ausgiebig mit Zuhause telefoniert, obwohl das Telefon draussen war, und war zitternd und halb erfroren zureck in die warme Stube gekommen, also haben wir ausgiebig gefruestueckt und noch einmal dem Feuer beim Waermen zugesehen. Sind dann einen Wanderweg zu den Bridal Veil Falls gegangen, und der Weg war eher enttaueschend. Ein Lookout-Point auf die Wasserfaelle, ziemlich weit weg, und dann stand da nicht einmal, dass das schon alles war, wir dachten, wir kaemen noch naeher ran, gingen den eher uninteressanten Weg weiter – und ploetzlich waren wir bei der Strasse. Nun, die Vorstellung, diese 3/4 Stunde wieder zurueckzumarschieren, fanden wir nicht so berauschend, also beschlossen wir, in Reminiszenz an alte Zeiten, sprich, unsere jeweiligen frueheren Neuseelandreisen, den Daumen rauszustrecken. 15 Autos wollten wir uns Zeit geben, was wir aber, als erst 5 gekommen waren und wir schon ueber 20 Minuten da standen, auf noch 3 abkuerzten. Diese drei nahmen uns auch nicht mit, also gaben wir auf, marschierten wieder zum Ausgang des Tracks, da kam uns ein Auto entgegen und wurde langsamer: Es handelte sich um einen Australier, der vorher schon an uns vorbeigefahren war und uns nicht mitgenommen hatte, der sich aber danach ueberlegt hatte: „If these girls were my daughters, I would wish somebody picked them up“ – und deswegen hatte er umgedreht und fragte uns, wo wir hinwollten. Und so kamen wir doch noch zu einem erfolgreichen Autostopp, und ich meinte nachher erfreut zu Karin: Ist es nicht schoen, wir sind noch in einem Alter, wo es Autofahrer gibt, die bei unserem Anblick an ihre Toechter denken. Worauf Karin meinte, dass er ja aber auch schon ein wenig aelter gewesen sein, tatsaechlich im Alter unserer Vaeter. Darauf ich: Ja, ruhig, das will jetzt keiner hoeren. Aber es GIBT immerhin noch Autofahrer, die unsere Vaeter sein koennten. In ein paar Jahren bleibt maximal jemand stehen, weil er sich fragt, ob es die zwei Omis zu Fuss noch bis in ihr Altersheim schaffen  ;-)

Und so sind wir danach noch den Weg zu den Devil’s Punchbowl Wasserfaellen gegangen, und die waren wirklich sensationell, haben uns fuer die enttaeuschende Wanderung davor mehr als entschaedigt.

So, und jetzt geht’s wirklich noch die 30 Minuten in die Hoehe, ob wir am Abend noch einmal online kommen oder nicht, wird sich weisen – denn das Internet unserer Unterkunft ist im Haupthaus, und ob wir unser kuscheliges Wohnzimmer noch einmal verlassen, wenn wir einmal dort sind, das weiss ich noch nicht.

Aber Ihr seid wieder einmal up to date, und nicht vergessen: Die Jafas und Loopies warten auf Eure Loesungen!

4 Antworten

  1. also ihr könnts doch ned von den männlichen irons erwarten, daß die auch noch feuern und kochen können?! die sind doch mit ihren muckis beschätigt und warten auf huldigung und ned auf praktische arbeit ;-) ! da müßten schon weibliche irons daherkommen…
    liebe gabi, deine erste ansichtskarte ist gestern eingetrudelt!! merci! mich rafft grad die erkältung dahin, wohl grad an ner lungenentzündung vorbeigeschrammt… aber allzulang dauerts ja nimma bis zum telefonieren, mal schauen ob ich mich da noch zum schreiben motivieren kann…
    würd gern mit euch am warmen ofen sitzen, am kalten pass auch aber kürzer… :-)
    hier wütet emma der orkan, da halt ich schon was aus…
    lieben gruß!
    andrea

  2. Die Waldegghoffg. hat 2 Ansichtskarten hintereinander bekommen-sehr schöne!. Eine Karte hat zwar eine Briefmarke aber sie ist nicht abgesempelt worden-gibt`s sowas? Am Pass habt ihr es frisch gehabt aber gegen die schnelle Emma ist das nichts! Sie hat gewütet ca. 1/2 lang hat bei uns nichts ruiniert war aber unheimlich.
    Grüsse

  3. Hi Mädels,

    kann hiermit auch den Erhalt der zweiten Ansichtskarte bestätigen.
    Sind offensichtlich clevere Kerlchens bei der neuseeländischen Post.

    ich hab übrigens mittlerweile einen educated guess was jafa jetzt wirklich heißt. Das ist mir aber zu unanständig, um es in ein öffentliches Blog zu schrieben, und außerdem geht es doch um lians und nicht ians, odr?

    bin zurzeit Strohwitwe und finde es überaus amüsant, daß ihr früher wieder nach Wien kommt als mein GG.

    LG
    M.

  4. Hallo Ihr Zwei! Jetzt muß ich Euch doch wieder einmal sagen, wie viel Freude mir Eure Berichterstattung macht. Konnte auch in den letzten Beiträgen Neuseeland hautnah miterleben: war begeistert, amüsiert und habe mich zeitweilig auch vor Lachen ‘zawuzelt’. Mein Kompliment. Euer Geschreibsel ist Unterhaltung pur. Habe bereits beantragt, daß man Euch den Pulitzer-Preis für 2008 überreicht. Immerhin haben ‘wir’ jetzt auch einen Oscar, also warum auch nicht der Pulitzer-Preis.
    Gut, daß Ihr ein bisserl Kältetraining macht. Nach einem frühlingshaften Februar (bisweilen bis 20 Grad) hat jetzt wieder der Winter zugeschlagen: Temperaturen nur bei 6-8 Grad, Frost, ja sogar etwas Schneegeflankerl. Trotzdem: der Frühling liegt schon in der Luft. Es blühen die Forsythien, die Veicherln, die Primeln; der erste Storch ist in Kilb gelandet. Zwar holt er sich noch kalte Füße im Schnee, aber immerhin ….. und wir haben auch immer wieder sehr viel Sonne und traumhaft blauen Himmel.
    Dies alles zur positiven Einstimmung für Eure Rückkehr. Und nach all den Vögeln wartet bei uns der Knuddelbär Fu Long, aber auch die beiden jungen Eisbären neben allen anderen Vierbeinern in Schönbrunn auf Euch. Auch einen Besuch wert.
    Für Euren Reise-Endspurt wünschen wir Euch noch schöne, erlebnisreiche Tage und uns noch einige unterhaltsame G’schicht’ln.

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