Neuseeland - was hier anders ist
Strasse und Verkehr
Nun was als erstes auffaellt und was eh alle wissen ist, dass hier alle auf der fuer uns verkehrten Seite fahren. Mit der Zeit gewoehnt man sich daran zuerst nach rechts und dann erst nach links zu schauen. Auch Gabi betaetigt mittlerweile nur noch sehr selten den Scheibenwischer wenn sie blinken moechte. Auf den Strassen Neuseelands faellt noch etwas auf. Hier gibt es ja sehr viele Fluesse und daher auch zwangsweise sehr viele Bruecken. Man stelle sich also vor: man faehrt die Strasse entlang und ploetzlich steht in weisser Schrift auf der Fahrbahn “One-Lane-Bridge”. Dann heisst es hoffen, dass die Richtung in die wir gerade unterwegs sind, Vorrang hat, ansonsten heisst es warten, bis von der anderen Seite keine Autos mehr kommen. Sogar auf einigen Hauptstrassen des Landes gibt es diese Bruecken. Ueber die laengste (700m!) sind wir bereits gefahren. Und dann kam ueberhaupt die unglaublichste Bruecke. Man stelle sich vor: man kommt an eine One-Lane-Bridge und auf dieser verlaufen auch noch Schienen. Erst mal feststellen ob wir Vorrang haben. Mist wir haben Nachrang und da kommt auch schon eine Autokolonne - also warten. Ok, die Autos sind weg, aber da hinten kommt ein Zug. Fahren wir noch schnell vor dem Zug oder warten wir lieber bis er vorbei ist. Nein, schnell noch vor dem Zug rueber. Auf der anderen Seite standen dann die Autos des Gegenverkehrs, so halb auf den Schienen. Da hiess es dann rueckwaertsschieben. Der Zug ist aber in einem Schneckentempo ueber die Bruecke gekrochen. So was waere bei uns vollkommen unvorstellbar. Wir hatten dann kurz danach noch einen Kreisverkehr wo mittendurch die Schienen gingen. Mittlerweile ist Gabi durch nichts mehr zu erschuettern.
Wie ihr von Gabi ja schon gehoert habt, suchen wir manchmal einfach nach den braunen Taferln am Strassenrand wenn Strassenkarten und Reisefuehrer sich nicht ausgiebig genug ueber eine Gegend auslassen, die wir gerade durchfahren. Die fuehren einen dann zu mehr oder weniger interessanten Dingen. Bisher hatten wir mit unserer Taferlwahl aber eigentlich ziemliches Glueck. Grundsaetzlich sind die Neuseelaender aber eher sparsamer mit ihrem Schilderwald als die Oesterreicher. Doch wenn sie ein Schild aufstellen, dann kann es schon vorkommen, dass dann ein halber Roman draufsteht. Und teilweise haben sie auch Schilder wo man sich im ersten Moment fragt, was das bedeuten soll. Heute zum Beispiel hatten wir ein Schild das lautete “Caution, debris on street at high tide”. Wir haben uns schon gefragt was das soll, doch dann sahen wir es. Es war gerade Flut und die Strasse war voller Schotter und zwar nicht ueberall durchgehend, sondern so wie die Wellen ihn halt anspuelen und da kam auch schon die naechste Welle und das Wasser ist direkt vor uns auf die Strasse gespuelt. Ich moechte bei einem Unwetter, oder auch nur bei einer hoeheren Flut nicht unbedingt auf dieser Strasse unterwegs sein. Die Wellen waren aber echt toll. Hin und wieder gibt es auch einfach “crazy signs”. Am Bahnhof von Wellington steht zum Beispiel ein Schild, das lautet “bumps next 5 km” - mit bumps sind in dem Fall “liegende Polizisten” (Gabi hat mir gerade gesagt dass die so heissen) gemeint. Der Busbahnsteig auf dem das steht ist aber nicht mal 100m lang. Gestern haben wir ein weiteres “crazy sign” gesehen, das sich wohl ueber Schilder dieser Art lustig machen wollte es lautete naemlich: “caution next ? km” und darauf war eine Schnecke abgebildet.
Zum Thema Strasse ist noch zu erwaehnen, dass Gravel Roads, also unasphaltierte Strassen, einfach zum Strassennetz dazugehoeren. Wie ich gerade in Wikipedia nachgelesen habe umfasst das gesamte Netzwerk 92.200 Kilometer, von denen etwa 54.000 asphaltiert sind. Autobahnen gibt es nur in der naehe der drei grossen Staedte (Auckland, Wellington, Christchurch). Ansonsten ist alles nur zweispurig (in jede Richtung eine Spur), im besten Fall gibt es sogenannte “Passing Lanes”, wo die Strasse dann kurzfristig in eine Richtung zweispurig wird. Das macht das Nachfahren auf den teilweise doch recht kurvigen Hauptstrassen nicht immer einfach, wenn vor dir ein Wohnwagen im Schneckentempo dahinkriecht. Ok, bergauf ist unser Querci auch nicht der Schnellste, aber bergab und geradeaus faehrt er sehr brav.
Was ist noch zum Verkehr zu sagen: der Personentransport erfolgt nur mit Bus, Flugzeug und natuerlich PKW. Zuege verkehren in Neuseeland nur als Touristenattraktion. Obwohl es ein ausgebautes Schienennetz gibt, fahren im Normalfall pro Strecke nur zwei Zuege pro Tag - einer in jede Richtung. Auch wir sind mit dem Zug gefahren (Gabi hat darueber berichtet). Der Zug hatte ja sogar eine offene Plattform, auf der einem der Wind um die Ohren geblasen ist und man mehr oder weniger gut fotografieren konnte. Ich denke, bei uns waere sowas aus sicherheitstechnischen Gruenden schon nicht moeglich. Bei uns werden ja sogar die Fenster der Strassenbahn immer kleiner, sodass man sich nicht rausbeugen kann.
Neuseelaender
Neuseelaender sind ein sehr freundliches Volk. Das erste was man hoert wenn man in ein Geschaeft hineinspaziert ist ein “How are you”, manchmal noch mit einem “dear” hintendran. Am Anfang waren wir uns etwas unschluessig wie man darauf reagiert. Fragt man zurueck? Nach ausgiebiger Beobachtung der Kiwis wissen wir nun dass man einfach “fine, thanks” sagt. In kleinen Orten (und derer gibt es hier wirklich sehr viele) wird man auf der Strasse auch von allen begruesst und manchmal gleich mit einer Frage zu einer ausfuehrlicheren Reaktion, als nur einem einfachen “Hello” oder “Hi” herausgefordert.
Natur
Nun die Natur und deren Bewohner. Wir haben ja schon von melodisch singenen Voeglen und tollen Waeldern mit vielen Farnen berichtet. Nun noch ein anderes Erlebnis. Man stelle sich vor: wir gehen durch den Wald oder eine Strasse entlang. Ueber uns zirpen melodisch die Grillen (und zwar zu jeder Tageszeit nicht nur abends und nachts). Das Zirpen steigert sich mit einem fulminaten Crescondo zu einem … Grillenterror. Ihr glaubt gar nicht wie ohrenbetaeubend laut Grillen sein koennen.
Stadte und Geschaefte
In den Staedten faellt auf, dass teilweise sehr frueh Geschaeftsschluss ist. In Auckland, der groessten Stadt waren um 18:00 alle Gehsteige hochgeklappt. Da war auf der Hauptstrasse kein offenes Geschaeft mehr zu finden. In Invercargill wollten wir noch einen Abendspaziergang durch das Stadtzentrum machen - das war eine ausgestorbene Stadt, keine Leute unterwegs (ausser ein paar Touristen). Und noch etwas zu den Geschaeften. Es gibt Unmengen an Outdoorshops aber wir haben bisher keine einzige richtige Buchhandlung gesehen. Bookshops gibt es hier nur a la “Libro”. Auf der anderen Seite sind die Neuseelaender auch sehr fortschrittlich. Heute haben wir erstmals eine Selfcheckout-Kasse probiert. Wir brauchten zwar zweimal Hilfe, aber wir haben es schlussendlich doch geschafft uns selber aus dem Supermarkt zu entlassen.
Backpacker
Dann das Backpackerwesen. Das ist echt toll hier. Hier gibt es ca. 330 eingetragene Backpacker (ueber das tolle Heft hat euch Gabi ja schon berichtet). Man ruft einfach ein paar Tage vorher an und schon hat man ein Bett. Man kann sich entscheiden ob man im Double (Zimmer mit einem Doppelbett), Twin (Zimmer mit zwei Einzelbetten), Share (Zimmer mit hoechstens 4 Betten) oder Dorm (Zimmer mit mehr als 4 Betten, oft Stockbetten) uebernachten will. In der Nebensaison (also im kalten Winter) taucht man auch einfach auf und bekommt sicher ein Bett. Hier kann man auch als alleinreisende Person guenstig zu einem Zimmer kommen (allerdings nur wenn man bereit ist in einem Mehrbettzimmer mit fremden Leuten zu uebernachten). So ein System gibt es bei uns nur im Rahmen der Jugendherbergen und davon gibt es ja nicht wirklich viele. Hier findet sich in jedem “Kaff” zumindest ein Backpacker. Der Ort kann gar nicht klein genug sein. Wir waren beispielsweise in Okarito. Der Backpacker dort hat 18 Betten und eine Jugendherberge und einen Campingplatz gibt es dort auch noch. Der Ort selber hat sagenhafte 36 Einwohner (vor 10 Jahren warens gar nur 16). Neben den EinwohnerInnen gibt es dort natuerlich viel Natur sonst wuerden keine Leute dort hin kommen.
Essen und Trinken
Die Lokale sind zumeist Selbstbedienungslokale. Anders als bei uns gibt es hier aber nicht nur Speisen, die man sofort mitnehmen kann, sondern auch Speisen die frisch zubereitet werden. An der Kassa erhaelt man daher eine Nummer - zumeist an einem langen Stab befestigt - die man auf den Tisch stellt. Nach gegebener Zeit kommt dann die Kellnerin mit deinem Essen. Man wuerde meinen, dass sie jetzt die Nummer mitnimmt - tut sie aber zumeist nicht. Die Nummer bleibt bis zum Sanktnimmerleinstag stehen. Oft trifft man noch auf die Nummern der Leute die vorher an dem Tisch gesessen haben. Wir haben bisher nur wenige Orte gesehen, wo das System wirklich gut funktioniert hat. Heute beispielsweise. Die haben das System ueberhaupt weiter perfektioniert. Es gab auch noch rote und schwarze Taferln. Die roten waren fuer die Getraenke, die schwarzen fuer die Speisen.
In Bedienlokalen stehen auf jedem Tisch Glaeser und bei der Bestellung bekommt man automatisch eine volle Wasserflasch serviert. Die Diskussion ob man “nur” ein Leitungswasser trinken kann (oder gar dafuer bezahlen muss) gibt es hier einfach nicht. Was mir gerade noch zum Thema Wasser einfaellt: hier werden Unmengen an Wasserflaschen verkauft, obwohl das Leitungswasser genau so gut schmeckt wie bei uns.
Das leidige Thema “Brot”. Neuseelaender ernaehren sich leider von labrigem Toastbrot. Davon gibt es zwar 100 verschiedenste Varienten mit diesem Koerndl oder mit jenem Koerndl drin oder ganz ohne Koerndln, aber nichts desto trotz, wenn man kraeftig draufdrueckt, gibt es nach wie Schwamm. Grundsaetzlich sind sie nur essbar, wenn man sie vorher in den Toaster schmeisst, ansonsten schmecken sie wie Gummi. Wir haben mittlerweile eines entdeckt, das sich halbwegs essen laesst. In Wanaka haben wir gar einen Bioladen entdeckt, der richtiges (also so ein richtiges festes Koerndlbrot) hat. Das mussten wir natuerlich sofort kaufen und ernaehren uns gerade davon - was fuer eine willkommene Abwechslung.
Medizinische Versorgung
Praktische Aerzte und teilweise auch diverse Fachaerzte findet man hier grundsaetzlich in Medical Centers - wir wuerden das wohl das als Gruppenpraxen bezeichnen. Spitaeler gibt es hier natuerlich auch, wobei man die Spitaeler in den kleinen Staedten sich nicht mit unseren vergleichen kann. Die schauen oft eher aus wie normale Wohnhaeuser (und zwar neuseelaendische Wohnhaeuser): ebenerdig, vielleicht 5 Zimmer oder so. Bisher haben wir zum Glueck keines gebraucht. Sollte man Medizin brauchen, sucht man vergeblich nach einer Apotheke. Die Geschaefte in die man geht heissen zwar “pharmacy”, doch drinnen vermutet man eher, dass man sich in einer Drogerie befindet. Es gibt einen Schalter, der nennt sich “prescriptions” und dorthin wendet man sich mit seinem Rezept.
Sicherheitswahn
Die Neuseelaender haben auch einen ausgepragten Sicherheitswahn. Ok, dass hier alle mit Fahrradhelm fahren, finden wir nicht weiter schlimm, ganz im Gegenteil. Aber dass in allen Backpackern Feuermelderanlagen sind, die beim Kochen am Abend losgehen ist schon etwas uebertrieben. Folgende Geschichte dazu: Jugendherberge Lake Tekapo, 11:00 abends. Wir liegen schon im Bett und sind gerade am Einschlafen. Ploetzlich geht ein ohrenbetaeubender Laerm los - der Rauchalarm. Wir also raus aus den Betten und raus aus unserem Schlafraum (der in den Aufenthaltsraum mit Kueche fuehrte). Aus allen Zimmern kommen verschlafene, mehr oder weniger angezogene Leute. Dazwischen stehen ein paar angezogene, etwas verdutzt dreinschauende Menschen mit einer Pfanne in der Hand. Das gebratene Fleisch hatte wohl zu viel Rauch entwickelt (es sah auch etwas schwarz aus) und ab einer bestimmten Zeit am Abend duerfte das das Warnsystem nicht mehr so vertragen. Das war gluecklicherweise unsere einzige Begegnung mit Sirenen. Auch im Backpackerheft wird immer wieder auf Warnsysteme nach neuesten Richtlinien hingewiesen. Mag sein, dass die Neuseelaender aufgrund der vielen Holzbauten, da etwas sensibler sind als wir.
“Benamsung”
Neuseelaender sind sehr kreativ darin fuer alle moeglichen Dinge besondere Abkuerzungen und besondere Namen zu finden. Die Abkuerzung ”jafa” zum Beispiel liesse sich auch fuer Gabi und mich anwenden. Was koennte das nur heissen? Und dann noch eine Ratefrage: was sind “loopies”? Die Loesungen gibts dann spaeter in den Kommentaren - natuerlich erst, wenn ihr eurer Kreativitaet freien Lauf gelassen habt ![]()
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Hallo die Damen!
Is eh ganz easy:
J oyful
A ustrian
F emales
A broad
Und loopies: das sind Leute die nimmer aus dem Kreisverkehr rauskommen.
LG
M.
ok,was gibts zu gewinnen? *fg*
loopies sind die touristen, und jafas in eurem fall: just another fucking austrian statt auckländer…
im google findet sich der rest, wahrlich creativ die kiwis!