Heute ein paar unzusammenhaengende, kurze „Schnappschuesse“ unserer Reise, an die wir uns halt noch so erinnern. Wir wissen, dass es noch mehr gab, aber sie sind uns entfallen. Es faellt oefters einmal „Das kommt ins Blog“ – und dann wissen wir nur noch, dass wir etwas hier niederschreiben wollten, aber nicht mehr, was. Naja, wenn aeltere Frauen reisen …
Freundliche Busfahrer 1, Auckland
Ringlinie „The Link“. Karin und ich am langen Heimweg, der Bus bleibt stehen, die Busfahrerin spricht uns, nachdem alle anderen ausgestiegen sind an und erklaert uns, dass sie hier 10 Minuten Aufenthalt haette. Wir sollen doch aussteigen, es sei doch bestimmt schoener, sich draussen ein wenig umzusehen. Wir fragen, ob unser Ticket dann noch gilt, sie meint ja, so lange wir wieder bei ihr einsteigen, schon.
Wir steigen aus, gehen ein wenig herum, als wir zurueck kommen, unterhaelt sie sich gerade mit einem anderen Busfahrer. Sieht uns und meint: „Ah, da seid Ihr ja, ich habe Euch gerade meinem Kollegen beschrieben, damit er Euch mitnimmt!“
Freundliche Busfahrer 2, Wellington
Wir sind gerade angekommen, haben erfragt, dass uns jeder Bus von der Haltestelle 1 zur Jugendherberge bringt. Fragen den ersten Busfahrer, der dort einfaehrt trotzdem, ob wir bei ihm richtig sind, er meint ja, er wuerde uns sagen, wann wir aussteigen muessen.
Da uns aber ein Busfahrer in Auckland einmal bereits dasselbe versprochen aber nicht gehalten hatte, verfolgen wir die Fahrt trotzdem so gut es geht auf dem Plan, und kaum erkennen wir, dass wir in eine Strasse eingefahren sind, die nahe bei der YHA liegt, draengt Karin auf aussteigen, und ich folge ihr brav.
Als wir unsere Rucksaecke wieder gut vorne und hinten geschultert haben und vorne an der offenen Tuer des Busses vorbeigehen wollen, ruft der Busfahrer hinaus: „Hey! Warum bittet Ihr mich, Euch zu sagen, wann Ihr aussteigen sollt, und steigt dann selbst aus? Hier seid Ihr falsch, los, zurueck in den Bus!“ Verlegen und brav steigen wir wieder ein, und zwei Stationen spaeter erklaert uns der Fahrer, dass wir hier aussteigen sollen. „Gleich die naechste Strasse links runter, und am naechsten Eck ist sie. Na, ist das nicht naeher als dort, wo Ihr aussteigen wolltet?“
„Der Staat bin ich“ von Ludwig XIV, Neuseeland-Variante
Backpacker, Invercargill. Karin und ich kommen um 17:10 zur Rezeption, weil davor dort ein Schild mit der Info „Back at 5. Make yourself comfortable. Dan“ gehangen war. Die Rezeption besteht aus einem Sekretaer (Schreibtisch), dessen Rolladen immer noch runtergelassen ist, das Schild ist aber weg. Auf der Bank gegenueber luemmelt ein blutjunger Bursche mit laengeren Haaren. Karin: „Are you waiting for the reception too?“ Antwort: „I AM Reception.“
Wer hat wohl das letzte Wort?
Cruise am Doubtful Sound. Ich will gerade vom offenen Deck in die Kabine gehen, da kommt unser Busfahrer, Rex, die Treppe herauf und traegt ein Tablett voller leerer Kaffeetassen. Ich bleibe stehen, deute ihm, er soll gehen. Er bleibt stehen und meint, „You go first, you are more important than I“. Ich, fast entruestet: „No, I am not!!!“ Rex: „Oh yes, you are, you are paying my wages today.“ Ich: „And you are making my stay lots more comfortable.“ Rex: „I wouldn’t be here today without you.“ Ich: „Well, neither would I.“ Rex muss lachen und gibt auf.
Gavroche in Les Miserables: „Wir Kleinen koennen mehr, sind flinker als der Blitz, …“
Road zum Milford Sound, erster Stop, Mirror Lakes. Name selbsterklaerlich. Majestaetisch spiegeln sich die Berge in ihnen, rund um mich zuecken die Bustouristen, die mit uns zeitgleich angekommen sind, ihre Fotoapparate, um diesen ruhigen, ewigen, grossartigen Anblick festzuhalten.
Da kommt von links eine Entenmama mit ihrem Kueken geschwommen, und das kleine scheint aufgeregt, denn es schwimmt erratisch und wild immer wieder weit weg von der Mama und wieder zurueck – und dahin war das majestaetische Bild im See.
Nur ein kleines Kueken – und der majestaetische Berg ging unter
Begegnung mit einer deutschen Touristin:
Road zum Milford Sound, Aussichtspunkt ueber das Hollyford Tal, ein fuer Busse gesperrter Parkplatz. Karin und ich stehen, schauen, geniessen. Auf einmal hinter uns laufende Schritte, eine Dame, um die 50, kommt dahergelaufen, mit Fotoapparat in der Hand. „brabbel brabbel brakeabbel brabbel?“ Wir: „I beg your pardon?“ Sie: „Kea? Kea?“ Kea sind die Papageien, die in hochalpinen Gegenden leben. Wir: „No, we haven’t seen any Kea.“ Sie: „Schade!“ – klick (ein Foto ins Tal). Sie dreht sich um und laeuft zurueck, und wir sehen, dass ein Bus am Strassenrand vor dem Parkplatz steht, der wohl extra fuer sie stehengeblieben ist, damit sie ein Foto von diesen Ort, an den sie so unvergessliche Erinnerungen mitnehmen wird, machen kann.
Pukeko
Elm Wildlife Tours. Erster Stop an einem Gewaesser, auf dem ein paar Stelzvoegel herumstaksen. Unsere ueberaus lebendige Reiseleiterin erklaert uns, welche Voegel wir sehen: Oystercatcher, div. Kormorane, und dann: Pukeko! „Dieser blaeuliche Vogel mit rotem Schnabel ist ein Pukeko!“Und sie erzaehlt noch diverses ueber Pukekos, die diesen Vogel ganz toll klingen lassen. „Den werdet Ihr noch oefter sehen, man sieht ihn oft tot auf der Strasse liegen.“ Ein lautes, bedauerndes Raunen erklingt im Bus. Sie laesst ihr, wirklich mitreissendes Lachen erklingen: „Ach, das macht nichts, es gibt ihn in Massen!“
Ich stecke das Waschpulver ein
Im Shop am Campingplatz in Curio Bay kauften wir ein Paeckchen Waschpulver, gedacht fuer eine Waesche, wir verbrauchten aber nur die Haelfte. Das Sackerl ein bisschen undicht, verpackten wir es noch zusaetzlich in einem Jausensackerl und hielten es dann ein bisschen ratlos in den Haenden, bis Karin meinte: „Ich stecke es hier herein, hier kann nichts passieren!“
Als wir 14 Tage spaeter wieder waschen wollten, erinnertenn wir uns beide lebhaft an diese Szene, wir wussten genau, wo wir zu diesem Zeitpunkt gewesen waren, wir erinnerten uns wortwoertlich an den Dialog – doch die Identitaet von „hier“, sprich, wohin es Karin gepackt hatte, fiel uns beiden nicht mehr ein. Und obwohl Karin saemtliche Orte durchsuchte, die ihr einfielen, blieb das Paeckchen verschollen. Wir kauften also eine neue Waschpulver-Portion.
Allerdings koennen wir die erfreuliche Mitteilung machen, dass das Paeckchen heute, und zwar sogar noch vor unserer Wasch-Session, wieder aufgetaucht ist. Karin hatte es ganz raffiniert unter den Badeschlapfen versteckt. Ja, dort konnte wirklich nichts passieren – auch nicht, dass Karin das Sackerl wieder findet
Komm, wir trinken noch die zweite Flasche
Punakaiki, erster Abend. Karin und ich wuerfeln und haben ein gepflegtes Flascherl Chardonnay getrunken, Karin will noch Nuesse holen, da entscheiden wir: „Ach komm, wir muessen sie ja nicht austrinken, aber er schmeckt gerade so gut, wir trinken noch ein bisschen, bitte bring’ die zweite Flasche mit“. Karin verschwindet und taucht laenger nicht mehr auf. Ich hoere Wortfetzen von unten, die sie wohl mit den Franzosen wechselt, irgendetwas von „unsere Mutter gestorben“ und Gelaechter, frage mich schon, ob ich ‘mal nachsehen soll, was da unten seltsames ablaeuft.
Da kehrt Karin schon wieder, ohne Flasche: „Wir werden heute nichts mehr trinken!“ Was soll ich sagen, Karin hat eine ein wenig temperamentvolle Art den Kuehlschrank zu oeffnen, zumindest, wenn sie ein paar gepflegte Achterln intus hat. Und es begab sich wie folgt: Kuehlschrank auf, ACHTUNG! Flasche faellt! Flasche bricht! Boden nass! Und Karin wischte gemeinsam mit einer Franzoesin den Boden auf, und dabei fiel der Dialog, den ich so halb hoerte. Karin meinte naemlich „It’s not that bad, we already had one bottle.“ Und ein Franzose antwortete: „It is! We are French! For us it is like our mother died!“
Abgelegt unter : G'schichtln
Hallo Mädels!
Ich muß sagen, euer AOTEAROA Blog macht wirklich Spaß!
Es erinnert mich ein bisschen an die Reiseprogramme die Michael Palin (u.a. bekannt von Monty Python, A Fish Called Wanda, etc.) für die BBC gemacht hat. Laut Michi waren diese Reiseprogramme nie im Deutschsprachigen Fernsehen zu sehen (was für eine Schande!), aber vielleicht habt ihr schon mal von ihm gehört oder gelesen.
Michael Palin hat auch immer ein Tagebuch mitgeführt, wobei er mit sehr viel (britischen) Humor beschreibt was ihm (und seine Begleiter) so passiert. Diese Tagebücher (mit wunderschöne Fotos von Basil Pau) hat er auch veröffentlicht.
Ich glaube, daß ihr beide auch genug Material habt, um ein ganz dickes Buch, mit tollen G’schich’ln und schöne Fotos, zu machen. Ich würde es mir sicher kaufen!
Ich wünsche euch noch eine schöne Resturlaub, mit noch mehr tollen Erlebnissen und schönen Fotos!
LG,
Martin
P.S. Falls „Michael Palin“ euch gar nichts sagt, schau mal auf:
http://www.palinstravels.co.uk
Wenn ihr wollt, borge ich euch auch mal seine Bücher (natürlich auf English!) und seine DVDs. Sind sehr empfehlenswert für Leute die Reisen lieben.
Ich hab zwar nicht ganz so intelligente Assoziationen parat wie Martin, möchte aber in die selbe Kerbe schlagen: ich lese eure Berichte wirklich gerne; sie machen Spaß.
Schöne, lebendige, farbenfrohe, lebensnahe Bilder (Text und Fotos), die mehr und mehr Lust auf Neuseeland machen.
Auch ich wünsche noch viel Spaß und interessante Erlebnisse in der verbleibenden Zeit.
juchu, hab bereits die 2. karte bekommen, danke dafür.
freu mich schon riesig wenn ihr wieder da seits und live berichten könnt, obwohl die berichte zum lesen echt toll sind. muß ich meinen 2 vorschreibern rechtgeben.
freu mich immer über neue berichte.
lg pauli