Wir haben schon mehrmals unsere Unterkuenfte erwaehnt, und mittlerweile haben wir doch schon so viele Unterkuenfte gehabt, dass es sich lohnt, die bemerkenswertesten davon Revue passieren zu lassen.
Mein Reisefuehrer meint ja zu Backpackern, dass dieser Begriff in keinster Weise geschuetzt ist und alles bedeuten kann: Von einem Privaten, der ein paar Zimmer in seinem Wohnhaus fuer Reisende bereitstellt und die Reisenden mehr oder weniger an seinem Leben teilhaben laesst, ueber eine professionell gefuehrte Pension, ueber ein ambitioniert gefuehrtes, alternatives Haus von Reisenden fuer Reisende, bis hin zu einem alten, abgewrackten Hotel, aus dem man versucht, noch ein paar Dollar zu quetschen.
Was sie alle gemein haben, ist: Sie sind auf Selbstversorger ausgerichtet, sprich verfuegen ueber eine Gemeinschaftskueche samt Utensilien, die Sanitaereinrichtungen muss man sich meist mit Anderen teilen, es gibt einen oder auch mehrere Gemeinschafts-Aufenthaltsraeume, sehr oft mit Fernsehapparat, Buechern, Spielen oder auch Puzzles, und es gibt fast immer Zimmer in Gemeinschafts-Schlafraeumen, frueher, also bei unseren ersten Neuseelandreisen, waren Raeume von 8 – 20 Betten die Regel, mittlerweile liegt der Schwerpunkt sicher bei den Groessenordnungen von 4 – 6 Betten, und fast jeder Backpacker hat mittlerweile auch mehr oder weniger viele Einzel- und Doppelzimmer. Mittlerweile ist auch sehr oft das Bettzeug inklusive.
Ausserdem haben wir auf dieser Reise Holiday-Parks bzw. Motorcamps genutzt, und dort sog. Cabins bezogen, und zwar immer Basic Cabins. Diese beinhalten quasi nur die Betten, und zwar ohne Bettzeug, mit selbigem waeren das Standard Cabins. Es gaebe auch noch Luxus-Cabins, die haben dann schon eigenes Bad, Wohnzimmer, Kueche, bei den Basic Cabins liegt all das in einem zentralen Gebaeude mehr oder weniger in der Mitte der Anlage.
Und damit zu den erwaehnenswerten Unterkuenften unserer Reise, und erwaehnenswert sind auch die Schlusslichter, von denen ich zu behaupten wage, dass sie nicht mehr „unterholt“ werden werden:
Im Glentanner Holiday Camp war unsere Cabin ein freistehendes Mini-Blockhaus, in dem genau 3 Stockbetten und 1 Sessel untergebracht waren und uns schon kalt beim Hineinschauen wurde. An dem Tag war’s auch kuehler, und wir hatten wenig Hoffnung, dass die duennen Holzbretter die Kaelte der Nacht abhalten wuerden. Wir schliefen also im Jogginganzug bzw. in langer Hose. Immerhin lag unsere Cabin gleich schraeg gegenueber vom Gemeinschaftshaus, also wenigstens hatten wir nicht lang zu Toilette und Waschraum, der aber auf eine Art gekachelt war, dass er einfach billig und nicht uebermaessig sauber wirkte.
Die Kueche voellig ohne Kuechenutensilien, gottseidank gab’s ein (gar nicht schlechtes) Restaurant. Der Aufenthaltsraum bot immerhin mehrere Couches, so dass wir ihn noch fuer ein paar Wuerfelpartien nutzten, denn in der Cabin waere es dafuer viel zu unbequem und eng gewesen. Ein Tag bei schlechtem Wetter in diesem Holiday Park haette dennoch mieselsuechtig gemacht, gottseidank blieben wir nur eine Nacht.
Am unteren Ende der Backpacker-Scala unsere Unterkunft auf Stewart Island. Nicht im bereits einmal erwaehnten BBH-Verzeichnis enthalten, wir buchten das Quartier mit dem toll klingenden Namen „The View“ in der Tourist-Info und erhielten die angeblich letzten 2 verfuegbaren Betten unserer Preiskategorie auf Stewart Island.
Es handelte sich um ein wirklich schoen, weil weit oben ueber dem Hafen, gelegenes Einfamilienhaus, das bestimmt einmal mit viel Liebe fuer die Familie errichtet wurde. Jetzt lebt dort nur noch Joey, und wir vermuten, dass die Geschichte wie folgt geht: Mann abhanden gekommen (gestorben oder geschieden), Kinder aus dem Haus, Haus zu gross fuer die Frau, um es alleine zu erhalten, sie will aber nicht weg. Irgendwer raet ihr: He, nasche doch mit am Tourismuskuchen, wenn Du in drei Zimmer ein paar mehr Betten fuer Backpacker reinstellst und den Leuten eine Kueche und ein Bad zur Verfuegung stellst, kannst Du in der Saison 200 $ am Tag machen. Und das tat Joey. Allerdings konnte sie sich umbauen nicht leisten, also teilt sie ihre Kueche und ihr Badezimmer, allerdings auesserst ungern, denn fuer ihr Gefuehl sind diese Backpacker Eindringlinge, die ihr Haus beschmutzen. Sie nimmt also in der Kueche die Herdplatten-Einsaetze aus ihrem Herd, vermutlich lagert sie die in ihrem Schlafzimmer und nimmt sie mit, wenn sie kocht, stellt stattdessen einen Mikrowellenherd rein und schreibt einen Zettel „Microwave cooking only“ samt Instruktion, wie man Pasta in der Mikrowelle zubereitet. Immerhin kochen ja Backpacker meistens eh nur Nudeln, das weiss man doch. Anekdote am Rande: Als ich mir am Abend einen Tee machte, kam ein Israeli in die Kueche und blickte verzweifelt auf den Herd. Radebrechte, ob ich wisse, wo die Herdplatten seien. Ich deutete auf das Schild „Microwave cooking only“ und erklaerte ihm, dass der Herd wohl fuer die Hausherrin alleine sei. Darauf wurde er geradezu verzweifelt: Das haette sie ihm nicht gesagt, er waere jetzt extra im Supermarkt gewesen und haette sich Fleisch gekauft, wie er das denn kochen solle? Tja, ich konnte ihm nicht helfen, und als ich spaeter aus der Dusche kam, sass er da wie ein Haeufchen Elend und hatte zwei Toastbrote mit je zwei Gurkenscheiben drauf vor sich liegen. Der Arme hatte zwei Naechte dort gebucht.
Zurueck zur Kueche: Ausserdem informierte die Pasta-Kochanleitung, dass man fuer rote Sossen nur bestimmte Toepfe und Teller benutzen solle, weil rote Sosse Flecken hinterliesse. Auf jeder zweiten Tuer klebte ein Post-It „Private, Joey only.“ Detto im Badezimmer, wo auch ein Schild hing: „Sorry, no baths, since we must all conserve water. Thank you, Joey“. Auf der Duschwand ein Post-It „Please take short showers only, e.g. 5 minutes, so that we all have hot water. Thank you, Joey.“ Auf der Kuechentuer die Info, dass wir die Kueche bitte ab 10 Uhr und am Namittag fuer Joey, thank you, freihalten sollen, das Badezimmer sollen wir bitte, thank you, ab 21 Uhr fuer Joey freihalten..
Im Aufenthaltsraum neben der Kueche standen ein paar Plastik-Gartensessel und ein Plastik-Gartentisch, der Grossteil des Raumes war leer. Der Teppich war fast schon bis auf den Holzboden darunter durchgewetzt, weswegen unter den Moebeln ein paar Vorleger lagen, die auch schon bessere Tage gesehen hatten. An der Tuer zum Balkon beim Aufenthaltsraum ein Post-It „Please use balcons on the floor your rooms are in. Thank you, Joey!“, sprich, wir haetten diesen Balkon, von dem aus man als einzigem die tolle Aussicht, die der Name „The View“ verspricht, hat, gar nicht betreten sollen. Ich brauche wohl nicht zu erwaehnen, dass im Aufenthaltsraum kein Fernsehapparat oder Buch rumlag, nur ein paar „New Zealand’s Womans Weekly“-Hefte zur Unterhaltung.
Joey’s Einstellung zu ihren Gaesten spiegelte sich auch in ihrer Interaktion mit ihnen: Wir sahen sie, als wir ankamen, da zeigte sie uns alles. Bei dem kurzen Gespraech, das sich ergab, erzaehlte sie, dass sich Stewart Island sehr veraendert haette. Viel mehr Touristen. Frueher, da sei alles viel ruhiger gewesen, und sie sei froh, dass sie – „ich meine, Tourismus ist grossartig, wer kann ohne ihn leben“ – jene Zeiten erlebt haette, sie haetten so viel Spass gehabt, damals. Und nach diesem Gespraech sahen wir sie nicht wieder.
Ich glaube nicht, dass uns irgendein Quartier, das wir uns aussuchen werden, wieder so sehr das Gefuehl geben wird, nicht erwuenscht zu sein, wie Joeys Haus.
Dies waren also die zwei Negativ-Erfahrungen dieser Reise, kaum zu unterbieten. Auch wenn wir morgen in der Jugendherberge in Okarito uebernachten werden, die auch sehr einfach sein soll, nein, sein wird. Wir wurden schon beim Buchen darauf aufmerksam gemacht, dass die Toiletten und Waschgelegenheiten am Campingplatz daneben seien. Aber dort ist das eher bedingt durch die Tatsache, dass Okarito ein 20-Einwohner-Kaff ist, in dem es nichts gibt und man den Gaesten angekuendigterweise nur eine sehr einfache Unterkunft bietet. Die Jugendherberge in Okarito galt schon „damals“, also vor 15 Jahren, als ein Geheimtip fuer jemanden, der einmal besonders „basic“ untergebracht sein will. Ich glaube nicht, dass wir dort negativ ueberrascht sein werden.
Die Highlights und Besonderheiten der anderen Art bei unseren Unterkuenften folgen ein andernmal, ich folge heute Karins Tip, meine ellenlangen Beitraege doch aufzuteilen.
Abgelegt unter : G'schichtln, Kiwi Experience
Es könnt ja sein, daß Ihr glaubts, ich hab Euch vergessen. Aber da hier eh so reger Zuspruch herrscht, und ich eh nix anderes dazuschreiben könnt wie „WOW – Toll“ und „Ich will dort auch hin“, hab ich mich halt zurückgehalten.
Komm grad wieder von den Katzen – Alles roger – nur unwahrscheinlich schmusig. Und Krümel macht auch auf Zirkuskater! Zum Fotografieren ist leider immer noch zu dunkel und Kunstlicht macht nicht so gute Fotos.
Ah ja, und wir waren vorige Woche in We will rock you. Na ja – laut wars, sehr laut. Ich hab die ganze Zeit die Ohropax drinnen gehabt. Möglicherweise sind mir da ein paar Gesangsfeinheiten entgangen. Die Gags waren nett, halt von der englischen in die Austropop-Szene transferiert. Der Hauptdarsteller war supertoll und der Rest konnte den Londoner Vorbildern nicht das Wasser reichen. (Ja, ja – ich weiß eh, daß ich ein Snob bin…).
Haltets weiterhin die Ohren steif.
LG
Kassandra
Kurze Anfrage:
20. und 21. März – Jesus Christ Superstar
diesmal in der Stadthalle (Halle F).
Drew Sarich (Jesus) und Serkan Kaya (Judas)
Rest wie immer.
Soll ich Karten besorgen?
M.
Au ja, bitte,
eine Karte fuer mich bitte. Drew Sarich *schmelz* Und koenntest Du Mutti bitte auch fragen? Ich bin ziemlich sicher, die will auch. Du erreichst sie theoretisch am Nachmittag in der Firma. Danke.
Danke für die tollen Berichte – ich konnte die „Freundlichkeit“ und Behaglichkeit von Joey´s Hütte fast körperlich spüren.
GLG an „Schneeweisschen“
))) mir fehlt´s schon sehr .
LG
SB
Hey ich hab Eure Karte heute 03.03.2008 erhalten – ur schön – und vielen Dank, dass ich Euch handgeschriebene Zeilen Wert bin *freu* wobei Gabi beim Schreiben ja in Ihrem Element ist
Ich freue mich schon wenn Ihr wieder da seid und live über noch mehr G`schichtln berichten könnt.
Wie immer alles Liebe an Euch beide
Eva