Wir muessen Euch nun noch unbedingt Quercus, genannt Querci, vorstellen. Quercus ist ein 1999er Toyota Corolla, den wir mit rund 143.000 gefahrenen Kilometern uebernommen haben, und der uns den Grossteil dieser Aotearoa-Tour hindurch begleitet.
Gebildete Botaniker unter Euch dachten vielleicht gleich: Quercus? Das ist doch die Eiche. – Stimmt! Nach der Eiche haben wir ihn benannt, weil Karin und ich bei Eichen an alte, ehrwuerdige Baeume denken, die unter der Last ihres Alters schon ein wenig aechzen und knarzen. Und genau das tut Querci auch: Er knarzt, wenn wir die Tueren oeffnen oder schliessen, und er aechzt, wenn wir einen Huegel oder gar: einen Berg mit ihm erklimmen wollen. Ausserdem piept er, wenn ich den Rueckwaertsgang einlege oder die Fahrertuer (die Beifahrertuer ist ihm wurscht) noch offen steht, wenn der Schluessel steckt – extrem laestig -, dafuer nicht, wenn das Licht bei nicht steckendem Schluessel noch brennt, was mir wesentlich lieber waere.
Geht es eben dahin, lassen sich die 100 erlaubten km/h mit dem ehrwuerdigen Herren gut erreichen, auch 120 bin ich trotz der Zero-Tolerance-Einstellung der hiesigen Polizei schon ‘mal gefahren. (Werde ich aber nicht mehr tun, zwei Englaenderinnen erzaehlten uns, dass sie 114 km/h bei 100 erlaubten 80 $ gekostet haben.) Kaum geht es jedoch bergauf, sinkt die Tacho-Nadel stetig, 80, 60, ja, auch die 40 habe ich bei Steigungen schon gluecklich erreicht, vor allem bei Kuppen. Ueber solche geht es hier oft, und dann nehmen wir die erste zumeist noch mit knapp 80, bei der zweiten sind es 60, und ab der dritten zuckeln wir mit 40 den Berg hinauf.
Querci hat auch keine Zentralverriegelung oder aehnlichen Schnickschnack. Aber er hat Stolz: Als wir ihn in Dunedin zwei Tage stehenliessen und auch noch die steilste Strasse der Welt ohne ihn absolvierten, die er, wie er uns spaeter berichtete, bereits mehrmals hinaufgebraust ist (was ich bezweifle, aber sagt ihm das ja nicht!), war er beleidigt. Als wir aus Dunedin wegfahren wollten, verweigerte er zunaechst bockig das Anspringen, und erst, als ich ihm, nach der verzweifelten Ueberlegung, wie das Kupplung kommen lassen eigentlich bei einer Automatik funktioniert, die ja gar keine Kupplung hat – bergab waeren wir naemlich gestanden, allerdings hatte ich brav Richtung Randstein eingeschlagen gehabt: das hat ihn, glaube ich, auch beleidigt, dass ich nicht auf seine Parkfunktion und Handbremse vertraut hatte -, gut zuredete, liess er sich erweichen.
Eine weitere laestige Angewohnheit hat er: Sein Fernlicht schaltet man mit dem Blinkhebel ein – so weit so normal. Doch irgendwie passiert es leicht, dass das Fernlicht eingeschaltet ist, ohne dass ich es will. Einmal passierte mir das in Invercargill, und da standen bloederweise ein paar Polizisten rum, die mich auch sogleich aufhielten. Ich blinkte brav, wurde langsamer, wollte vor dem Polizisten an den Rand fahren, um den Verkehr nicht zu behindern, doch kaum war ich gleichauf mit ihm, bellte er schon ein herrisches „STOP“ – ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin, die gerade fluechten will. „Do you realize you are driving with your full lights on?“ Nein, es war mir nicht aufgefallen, dass ich das Fernlicht eingeschaltet hatte, und waehrend ich antwortete, griff er schon beim Fenster herein und schaltete das Licht aus. „Have you drunk anything today?“ Hatte ich natuerlich nicht. Dann hielt er mir ein Aufnahmegeraet vor die Nase „Please give your full name and home address“. Irritiert blickte ich auf das Geraet und begann mit meinen Angaben, vor der Strasse stockte ich, weil ich unsicher war – soll ich ihm das jetzt buchstabieren? Da laechelte er auch schon und schickte mich weiter. Mittlerweile habe ich erfahren, dass das wohl eine Art Alkoholtest darstellt, andere mussten bis 5 ins Aufnahmegeraet zaehlen – ich hatte mich schon gefragt, ob die mir jetzt an meine Adresse Austria, Vienna, 1160 etwas schicken werden.
Diesen Zwischenfall haette ich Querci schon verziehen, doch seit ich diesen Beitrag begonnen habe (was schon ein paar Tage her ist, ich hatte ihn sozusagen auf Vorrat begonnen, begab sich Folgendes:
Wir fuhren vorgestern von Wanaka nach Haast, und es regnete doch ziemlich. Somit stiegen wir, noch vor unserem geplanten ersten Walk, bei einem Visitor Centre aus und lasen wirklich jedes Wort jeder Info-Tafel, um moeglichst lange dort zu verbringen in der Hoffnung, dass der Regen waehrenddessen aufhoerte. Irgendwann gegen Ende tauchte ein Mensch bei uns auf und murmelte etwas was wie „yadda yabba toilets yabba“ klang, was sich aber als „is that your toyota out there“ herausstellte, denn ich hatte das Licht brennen lassen. Wie erwaehnt, Querci piept wegen so ziemlich allem, aber nicht wegen brennenden Lichtes. Als wir mit den Displays fertigwaren, schuettete es wie aus Schaffeln, also fuhren wir die 30 Meter zum Kaffeehaus daneben, um weiter Zeit zu verdudeln. Begutachteten jedes Trumm, das man im Giftshop verkaufte, stellten uns schliesslich hinter der Rest-Schlange eines Busses im Cafe an und beschlossen, gleich noch ausgiebig Mittagzuessen. Waehrend des Essens kam ein Japaner zu und und fragte uns – Ihr werdet es erraten – „is that your Toyota out there“. Ok, also ich hatte das Licht wieder brennengelassen. Und, Euch ist natuerlich voellig klar, was jetzt kommt: Als wir eine halbe Stunde spaeter fahren wollte, gab Querci nur ein heiseres Kraechzen von sich. Ein sehr heiseres Kraechzen. Sprich: Batterie voellig tot.
Ich begab mich also auf die Such- und Betteltour nach jemandem, der uns helfen kann, und natuerlich habe ich jemanden gefunden: Im Giftshop hatte man das Starterkabel: Dieses erhielt ich, nach Erlaeuterung meiner Notlage und der Ursache selbiger mit einem amuesierten, fast ein wenig heimtueckischem Grinsen und der Aussage: „Well, you won’t leave your lights on any more, will you?“ Und am zweiten Tisch, an dem ich fragte, war man mit dem Auto da. Wobei ich die Reaktion des Mannes, den ich ansprach (uebrigens aeusserst attraktiv
) amuesant fand: Ich kam, mit Starterkabel an den Tisch und fragte: „Excuse me, do you happen to be here by car?“ und die Antwort war „Yes? Why?“ In meinen Augen war die Frage nach dem Warum ziemlich ueberfluessig, weil die Situation eigentlich selbsterklaerlich war. Es waere interessant zu hoeren, was dieser Herr gedacht haben koennte, was ich wollte. Ob er meinte, das Starterkabel diente mir als Zigarettenersatz, von wegen „Haetten Sie Feuer fuer mich“?
Aber egal – die zwei Herren erhoben sich und versicherten mir, dass sie auch schon ‘mal Starthilfe gegeben haetten, also wuessten, was man mit dem Kabel, das ich in der Hand hielt, anfinge (denn ich behaupte in solchen Situationen grundsaetzlich, keine Ahnung zu haben: ich bin eine Frau, ich muss das nicht wissen!).
Im Endeffekt standen bei stroemendem Regen 3 Maenner um unsere Motorhaube rum, ich sass im Trockenen und wartete darauf, anstarten zu koennen, und erntete auf meine wiederholten Dankesbekundungen vom aeltesten der 3 Engel noch die Aussage: „Do you know, what the secret of happiness is? To bring happiness into the life of others!“ Ist das nicht goldig?
Somit hatten Karin und ich einen weiteren Grund, an diesem Tage nirgends mehr stehenzubleiben – als ob der Regen nicht gereicht haette – stattdessen bei jeder Steigung umzudrehen und sie noch einmal zu fahren, damit Querci seine Batterie ja auflaedt, und am naechsten Morgen sprang er auch brav wieder an.
Der uebliche Aussteig-Kontroll-Spruch, den Karin bis vorgestern von sich gab, lautet: Schluessel hast? Alles zugesperrt? Und oft vergass sie den einen oder anderen Spruch auch. Mittlerweile haengen am Auto auf jeder Seite Post-Its mit „Licht“, und Karin betet bei jedem Aussteigen einen endlos langen Kontroll-Spruch herunter, dem ich schon oft zuvorzukommen versuche, indem ich schon beim Stehenbleiben kundtue: Ich drehe das Licht jetzt ab. Vielleicht sind wir ein ganz klein wenig paranoid
Aber einmal abgesehen von diesen Eigenheiten von Querci moegen wir ihn sehr, und wenn er die letzten 14 Tage auch noch so relativ brav durchhaelt, sind wir mit ihm sehr zufrieden, und dann vergeben wir ihm alle seine Eigenheiten.
Abgelegt unter : G'schichtln
is ja goldig euer baum mit rädern…!
stell mir vor, wie ihr jeden hügel raufschleicht, um dann mit vollem drive und lacher wieder runterzusausen!
)
hab jetzad endlich ausgiebig zeit hier zu lesen, weil ich im aakurs gelandet bin, is also so wie arbeit, also hab ich zeit rumzusurfen… *frechgrins*
und euren herrlichen erzählungen aus einer anderen welt zu lauschen!
schöne zeit weiterhin, und eine strecheleinheit an querci!
andrea
HippHippHurra, jetzt ist sie da! Heute: Montag, 25.02.2008, 12.30 Uhr, wurde sie uns ENDLICH im Pub beim Mittagessen überreicht – die erste Ansichtskarte aus Neuseeland nämlich. Endlich hat sie den langen Weg über Meere und Kontinente zu uns geschafft. Sie wirkt leicht antiquiert: sie zeigt Auckland City und trägt die Botschaft „Es geht los!“ Inzwischen haben ‘wir’ ja schon sehr viel erlebt – aber sie hat trotzdem die ganze Firma erfreut.
Herzlichen Dank und liebe Grüße im Namen der in Wien brav arbeitenden Mitarbeiter der Fa. Kosel