Aotearoa 2008 – Behind the Scenes

Martin hatte in einem Kommentar einmal gefragt, wie die Aotearoa-Tour eigentlich entsteht, ob sie geplant ist oder im Fahren passiert. Die Antwort ist: teils/teils.

Als wir wegflogen, hatten Karin und ich uns gerade einmal geeinigt, dass wir den zeitlichen Schwerpunkt auf die Suedinsel legen wuerden. Dies wollten wir wegen der Entscheidung, wo wir wann das Mietauto nehmen, obwohl angeblich in Neuseeland nie Mietauto-Engpaesse eintreten, schon von Oesterreich buchen, einfach, um hier dann keine Zeit damit zu vergeuden.

Jede von uns hatte ein paar Orte im Kopf, die sie unbedingt oder ganz gerne (wieder) sehen wollte. Bei der „Planung“ in Oesterreich hatten wir eben festgestellt, die liegen grossteils auf der Suedinsel, und mehr hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht besprochen. Es reichte, um festzulegen, dass wir uns ein Auto fuer die Suedinsel nehmen, weil wir auf der Nordinsel nur ganz wenige Punkte abklappern wollen.

In National Park dann, also am Abend vor unserer ersten grossen Wanderung, haben wir die Karte der Suedinsel ausgebreitet, einen Zettel genommen, und einfach einmal eine Route entworfen, bei der wir die Dinge eingebaut haben, die einer oder beiden von uns am Herz lagen. Grundsaetzlich ist die Routenplanung auf der Suedinsel ja eher einfach: Im Prinzip geht eine Strasse rund um die Insel, in den oberen zwei Dritteln der Insel gehen, wegen der Alpen, die die Westkueste entlang die Insel von Norden nach Sueden durchschneiden, gerade einmal 2 Pass-Strassen quer durch, unten gibt’s dann ein paar mehr Ost-West-Verbindungen. D.h., dass sich primaer einmal die Frage stellte, machen wir’s im oder gegen den Uhrzeigersinn, und wo schneiden wir durch.

Als dieser Plan, bei dem wir beruecksichtigten, wie lange Entfernungstabellen fuer die Strecken veranschlagen und wo wir gerne laenger bleiben wollen, stand, waren wir gerade ‘mal beim 1. Maerz als letztem Reisetag angekommen. Und das haben wir einmal so gelassen, in dem Wissen, dass wir Reservetage haben, falls wir einmal wo auf schoeneres Wetter warten wollen, es uns nicht freut, weiterzufahren, oder wir einfach ‘mal eine Pause brauchen.

Was wir dann genau an den Strecken oder in den Orten machen, das planen wir eher kurzfristig. Karin sammelte von Anfang an alle Touristen-Prospekte, die ihr hilfreich erschienen, vor allem das Department of Conservation gibt nette Folder zu jeweils 1 oder 2 $ heraus, in denen die Walks einer Region angefuehrt sind, samt Information ueber den Schwierigkeitsgrad und die Gehzeit, und so entstehen, vor allem in Karins Kopf, ungefaehre Tagesablaeufe.

Manchmal beinhaltet das auch nur einen Walk, und der Rest entsteht dann einfach so: Da stehen dann tatsaechlich sozusagen die Schilder „Stop der Aoetearoa-Tour 2008″ an der Strasse; so wie gestern auf der Fahrt nach Wanaka, fuer die Karin nicht einen einzigen Stop im Voraus wusste. Da beachteten wir dann, noch mehr als sonst, die braunen Schilder am Strassenrand, die auf mehr oder weniger tolle Sehenswuerdigkeiten hinweisen, und so stoppten wir gestern z.B. an der historischen Bruecke ueber den Shotover River, was im Endeffekt einen Aufenthalt von einer Dreiviertelstunde bedeutete, weil die Gegend wirklich lieblich war und man ein bisschen gehen konnte. Ausserdem verhiess ein Strassenschild „Kingston Flyer, 400 m on the left“, und obwohl wir keine Ahnung hatten, was sich hinter dem Kingston Flyer verbarg, folgten wir dem Schild und entdeckten in der Middle of Nowhere eine entzueckende kleine Eisenbahnstation einer reaktivierten alten Bahnstrecke, auf der 1 x taeglich eine Dampflokomotive verkehrt.

Ausserdem fand Karin eine „Abkuerzung“ nach Wanaka, 52 km statt 106, klang doch toll, oder? Schon der Zusatz auf dem Strassenschild „via Crown Range“ haette mir zu denken geben sollen, doch ich bog brav ab und bereute es postwendend. Die Strasse steil und schmal ohne Mittelstreifen, und dann kamen uns gleich einmal lauter Lastwagen entgegen. Eine Kurve spaeter wurde klar warum: Baustelle, wir durften gleich einmal 15 Minuten einem Lastwagen beim Entladen von Schotter zuschauen, daher auch der viele Lastwagenverkehr. Aber zugegeben – die Aussicht von oben war genial, und die Strecke danach war auch bestimmt schoener, ein schoenes Hochplateau, und wirklich weniger Verkehr, als ich alle hinter mir einmal vorbeigelassen hatte.

Quartiere buchten wir am Anfang meistens in der Frueh fuer den selben Abend oder ein bis zwei Tage vorher, weil wir uns ja die Moeglichkeit offenhalten wollten, laenger oder kuerzer zu bleiben. In Dunedin haben wir ja erstmalig einen Reservetag eingeschoben, weil uns die Stadt gefiel, in den Catlins urspruenglich auch, dann haben wir ihn wieder gestrichen, in Invercargill kam der naechste Reservetag dazu.

Allmaehrlich buchen wir aber schon deutlich weiter in die Zukunft, weil wir jetzt in den touristischeren Gegenden sind und wir dann doch sicherstellen wollen, dass wir entweder ueberhaupt im gewuenschten Ort auch etwas bekommen oder, und das ist haeufiger, genau in dem Backpacker, den wir uns aus unserer Liste ausgesucht haben. Dieses Backpacker-Verzeichnis kannten sowohl Karin als auch ich schon von unseren frueheren Reisen. Das Heft wird jaehrlich neu aufgelegt, und neben den Werbetexten der Unterkuenfte an sich enthaelt es auch eine Bewertung durch die Reisenden selbst als %-Angabe. Immer im Februar koennen Backpacker die Frage beantworten „auf einer Skala von 1-10, wie sehr hast Du den Aufenthalt in dieser Unterkunft genossen“. 100 % wuerde bedeuten, dass alle abstimmenden Reisenden diesem Backpacker 10 Punkte gegeben haben. Karin und ich lieben es, in diesem Heft die Texte und Bewertungen zu lesen und uns dann einen Backpacker auszusuchen; Backpacker mit weniger als 70 % suchen wir fast nie aus, wir sind Prozent-Junkies und probieren die 80er und 90er aus. Im Moment logieren wir gerade in The Purple Cow, mit 83 % das hoechste in seiner Groessenordnung, der groessten naemlich mit ueber 100 Betten. Normalerweise nehmen wir die kleineren mit unter 20 Betten, aber 83 % bei dieser Groesse ist schon sensationell, das wollten wir sehen, und sie haben’s wirklich verdient.

Auf jeden Fall hatten wir schon vor dem Milford Sound fuer hier und die naechsten zwei Naechte in Haast vorbestellt, also immerhin schon 6 Tage im Vorhinein. Gestern haben wir uns dann hingesetzt und den Rest der Reise geplant, und wir hatten tatsaechlich eher Schwierigkeiten, die restlichen Reservetage unterzubringen. Nicht so sehr, weil es nichts mehr gaebe, was uns gefaellt, sondern weil wir auch noch Werktags-Shoppingzeit in Christchurch wollen, aber an einem Sonntag unser Auto ebendort zurueckgeben muessen. Also wollen wir schon vorher wieder nach Osten hinueber – das was wir noch einschieben koennen ist aber eher im Westen. Und so haben wir unseren bis gestern gueltigen Plan, die Westcoast auf 3 x zu fahren und dazwischen ueberall 2 Tage zu bleiben jetzt auf eine ziemliche Zucklerei abgeaendert, fahren mehrere kurze Strecken, bleiben dafuer meist nur noch einen Tag. Und zwar sind wir jetzt mehr nach gemuetlich/originell klingenden Backpackern gegangen – Dinge zu sehen und zu tun suchen/finden wir dann ohnehin. Die Westcoast ist eine einzige Ansammlung an schoenen Kuesten, Straenden, Bergen, Seen, Fluessen, Wasserfaellen, dort gibt’s ueberall etwas zu sehen.

Dafuer bleiben wir dann doch schon ab Freitag endgueltig in Christchurch, koennen uns dort fuer 3 Naechte haeuslich niederlassen, das hatten wir ausser in Dunedin noch nie, und machen lieber von dort Ausfluege – oder wir machen nichts, das sehen wir dann. Immerhin stehen dann keine braunen Schilder mehr rum, die unsere Aufmerksamkeit erregen, dann heisst es, uns selbst aufraffen – und das wird sich erst weisen, wie sehr wir das tun.

Denn heute z.B. haben wir auch eher weniger unternommen. Wir wollten in Wanaka zwei Naechte bleiben, weil es eine schoene Gegend ist und wir dachten, da gibt es jede Menge Walks mit schoenen Ausblicken, ausserdem gibt es hier die Puzzling World mit einem tollen, zweistoeckigen Irrgarten und den „Illusion-Rooms“. Naja – wir waren gerade ‘mal in der Puzzling World, dort allerdings sicher 3 Stunden lang; und sonst haben wir gefruehstueckt, gewaschen, gebummelt, und jetzt internetten wir. Hin und wieder reizt uns einfach keine Landschaft, und nicht einmal die Tatsache, dass draussen immer noch schoenes Wetter ist, fuer die naechsten zwei Tage aber Regen angesagt ist, zieht uns auf den Aussichtsberg. Einkaufen wollen wir noch gehen, dann werden wir weiter den gemuetlichen Backpacker geniessen. Moeglicherweise geht es uns ja in Christchurch genauso.  

Es geht also in den Endspurt, obwohl noch ueber zwei Wochen, also eine normale Urlaubszeit, vor uns liegen. Keine Reservetage mehr, ein klares Raum-Zeit-Geruest liegt vor uns. Gebucht haben wir einmal die naechsten 5 Naechte; noch ist also theoretisch ein wenig Veraenderung moeglich, aber wenn ich mir ueberlege, wie lange wir gestern an der Planung gefeilt haben, wird sich vermutlich nicht mehr so viel tun.

Falls es jemanden interessiert, im speziellen fuer meine Eltern, die ja eine Neuseeland-Karte zum Mitverfolgen zu Hause haben 2 x Haast, Fox Glacier, Franz Josef Glacier, Okarito, Ross, 2 x Punakaiki = alles an der Westcoast von Sueden nach Norden), zurueck hinunter nach Greymouth, 2 x Arthur’s Pass = nach Osten, in den Alpen in der Mitte, 2 x Banks Peninsula oestlich von Christchurch, 3 x Christchurch – und das war’s. Klingt schon fuerchterlich endlich, oder?

2 Antworten

  1. Mir scheint ihr habt schon so viel landschaft gesehen so das eine erholungspause notwendig ist. Ist euch schon etwa fad? Geniesst die restlichen 2 wochen, in Wien ist wieder arbeiten angesagt-kennt ihr dieses wort überhaupt noch? Wie ist eingentlich die Neu Zeländische Küche.
    Grüße aus der Waldegghofg.

  2. Nun, ob Arbeit eine Sache der Ungemütlichkeit darstellt, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall ist ja auch Badminton wieder angesagt, und mit der Kondition die Ihr ohne Zweifel mitbringt, werden uns die Gänse(kiele) nur so um die Ohren fliegen!
    Trotzden seien keine Gedanken an die Heimat vergeudet – seht Ihr sie ja noch früh genug. Mit vollem Elan die Tage genießen, andere hätten ja möglicherweise nur die 14 Tage Urlaub.

    Liebe Grüße Astrid & Thomas

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