Doubtful und Milford Sound
Und wieder liegen ereignisreiche (und weniger ereignisreiche, aber die lasse ich aus) Tage hinter uns, in denen wir “just a few more boattrips” unternommen haben. Und zwar am Doubtful und Milford Sound.
Doch wie fast immer komme ich so schnell nicht zur Sache. Springen wir zuerst fast 250 Jahre zurueck - Captain Cook ‘mal wieder. Bei seiner Umrundung und Kartierung von Neuseeland segelte er am Milford Sound glatt vorbei, sah zwar die schmale Einfahrt, mass ihr aber keine Bedeutung zu, dachte nicht, dass es da grossartig wohin ginge. Nun ja - immerhin sind es 19 km, die ihm verborgen blieben. So blieb es einem Walliser, dessen Namen ich vergessen habe, fast 50 Jahre spaeter vorbehalten, den Milford Sound nach seinem Geburtsort Milford Haven zu benennen.
Den Doubtful Sound sah Captain Cook sehr wohl, doch er traute sich nicht, in ihn hineinzusegeln, weil er bezweifelte, ob er jemals wieder herauskaeme, wenn er es taete. Klingt jetzt danach, als ob er ein wenig ein Wappler gewesen sei, der olle Cook, aber bitte bedenkt: Der gute Captain war noch vom Wind abhaengig, und wir befinden uns hier in den “Roaring Forties”, der Zone mit kraeftigen Westwinden. Sich in einer solchen mit einem grossen Segelschiff in einen unbekannten, duennen Fjord zu begeben, der nach Westen hin geoeffnet ist - das waere vielleicht tatsaechlich nicht ganz vernuenftig gewesen. Er nannte das, was sich hinter der Einfahr benannt also “a doubtful Haven”, einen zweifelhaften Hafen - und der Namen blieb haengen.
Schnelldurchlauf, zurueck zum Jahr 1991, meiner ersten Neuseelandreise. In meinem damaligen Reisefuehrer ist der Doubtful Sound noch ueberhaupt nicht erwaehnt. Zum Unterschied zum Milford Sound, der schon damals eine der Top-Attraktionen Neuseelands war. Ich erinnere mich aber, dass ich damals schon vom Doubtful Sound hoerte - als (wirklich noch) Geheimtip. Sei nur ueber entweder einen langen, beschwerlichen Walking Track zu erreichen, oder man muesse eine Bootsexkursion machen, weil keine Strasse hinfuehre. Man hoerte geruechteweise von Menschen, die diesen Sound tatsaechlich besucht haetten - ich traf, glaube ich, kein solches Exemplar, und auch ich selbst sah nur den Milford Sound. Karin hatte, ein Jahr spaeter, keinen der beiden Sounds besucht.
Heute werden Doubtful und Milford Sound meist in einem Atemzug genannt. Doubtful Sound gilt immer noch als “Geheimtip”, allerdings einer jener Geheimtips, ueber die jeder Bescheid weiss, die in jedem Reisefuehrer, in jedem Visitor Center, in jedem Prospekt erwaehnt werden. Manche meinen, der Doubtful Sound sei eine echte Alternative zum Milford Sound, weil schoener, weniger ueberlaufen, oder weil die Anreise schon so schoen sei (dazu spaeter). Andere meinen, man muesse beide gesehen haben, weil sie nicht zu vergleichen seien. Die meisten Neuseeland-Touristen mit begrenzter Zeit beschraenken sich wohl immer noch nur auf den Milford Sound: 550.000 Touristen jaehrlich!
Zurueck zu unserer Aotearoa-Tour 2008: Karin und ich wollten von Anfang an beide Sounds besuchen, und weil wir von Sueden kamen, fingen wir mit dem Doubtful Sound an.
An der Tatsache, dass der Doubtful Sound individuell gar nicht erreichbar ist, hat sich seit vor 15 Jahren nichts geaendert, man muss eine Tour buchen. Denn der Doubtful Sound liegt ganz tief drin im riesigen Fiordland Nationalpark, dem suedwestlichsten Teil der Suedinsel, in den kaum Strassen fuehren. So fuehrt auch keine zum Doubtful Sound, d.h., das stimmt nicht ganz: Es gibt die Wilmot-Pass-Strasse, und, das ist ganz spannend: Diese beginnt beim Sound und endet an der der Zivilisation abgewandten Seite des Lake Manapouri, und es gibt KEINE Strassenverbindung von irgendwo in Neuseeland zu dieser Strasse. Was hat es also mit dieser Strasse auf sich?
Dazu springe ich noch einmal kurz zurueck in die 60er-Jahre: Damals baute man am Lake Manapouri ein Wasserkraftwerk, und weil die Strassen vom naechsten Hafen, Bluff, alle zu schmal waren, um schweres Geraet fuer den Bau zu transportieren, war es billiger, saemtliche Baumaschinen ueber das Meer - eben ueber den Doubtful Sound - anzuliefern und eine komplett neue Strasse ueber den Wilmot Pass zum Kraftwerk zu bauen. Hiess es zumindest vor dem Bau: Heute steht fest, dass die Wilmot-Pass-Strasse die teuerste jemals gebaute Strasse in Neuseeland ist: 2000 $ (1100 EUR) pro cm - und die Strasse ist eine Gravel-Road, also nicht asphaltiert.
Und jetzt zurueck zu unserer Reise. Unser Tagesausflug zum Doubtful Sound begann also mit einer 1-stuendigen Cruise ueber den Lake Manapouri. Wir starteten bei komplett blauem Himmen und herrlichem Sonnenschein, fuhren allerdings in die Richtung, in der sich doch einige Wolken zusammenballten, so dass wir bei ein wenig bedecktem Himmel beim Visitor Centre des Kraftwerks ausstiegen. Dann bestiegen wir einen Bus, der uns zunaechst einmal, und das hatten wir vorher gar nicht gewusst, das war sozusagen interessante Draufgabe, eine 2 km lange, spiralfoermig nach unten (sprich: ueber 200 m unter die Erde) fuehrende Strasse entlang in das Kraftwerk hineinfuehrte, wo wir kurz in die Maschinenhalle schauen konnten und ein bisschen ueber das Kraftwerk erfuhren. War sehr interessant und vor allem beeindruckend; der Bau dieses unterirdischen Kraftwerks zur damaligen Zeit und unter den Arbeitsbedingungen dieser Gegend (kleines Detail am Rande: Die Arbeiter bekamen eine Sandfly-Zulage!) war wohl eine ziemliche technische Leistung.
Nach diesem Ausflug hinunter fuehrte uns der Bus dann ueber den Wilmot Pass zum Doubtful Sound: Bei unserem Stop am Aussichtspunkt huellte sich der Sound doch ziemlich in Wolken, man sah so ziemlich original nichts, anstatt dass wir den beruehmten ersten Blick auf den Doubtful Sound erhaschten.
Unten angekommen bestiegen wir dann unser Schiff, und die eigentliche Cruise ueber den Sound dauerte dann 3 wunderbare Stunden lang. Der Doubtful Sound ist ein eher schmaler Fjord mit mehreren Seitenarmen, die am weitesten vom offenen Meer entfernte Stelle im Fjord liegt 40 km von der Tasmanischen See entfernt, und mehrere Arme sind fast gleich lang - man kann also ziemlich lange kreuzen und sieht immer wieder Neues. Und genau das war auch das Tolle an dieser Cruise: Der Blick veraenderte sich ununterbrochen. Ich saugte mich an einem herrlichen Anblick fest, stand in der Sonne (die Wolken hatten anfangs fuer eine eher mystische Stimmung gesorgt, rissen dann aber so ziemlich komplett auf, und die zweite Haelfte fuhren wir bei blauem Himmel) und versuchte, den Anblick ganz tief zu verankern, und dann fuhren wir um eine Biegung und es eroeffnete sich ein Blick, der fast noch schoener war - und so fuhren wir von Aussicht zu Aussicht - mein Mittel der Kommunikation, das Wort, reicht nicht, um Euch das zu beschreiben, ich muss Euch auf Karins Fotos vertroesten, obwohl ich sicher bin, dass die auch nur ungenuegend zeigen werden, wie wunderschoen dieser Fjord ist.
Die Rueckfahrt bei ebenso blauem Himmel wieder ueber den Pass und den Lake Manapouri (just another Boat trip
) verblassten dann fast ein wenig, waren aber ein schoener Ausklang dieses perfekten Tages.
Und zwei Tage spaeter fuhren wir die Strasse zum Milford Sound. Wir waren sogar extra zeitig aufgestanden (7 Uhr!!!), um nicht im Konvoi mit all den Bussen zu fahren, liessen uns aber fuer die Sehenswuerdigkeiten entlang der Strasse sehr viel Zeit, fuhren mit der Zeit also doch voll im Hauptstrom mit, es war trotzdem weit weniger schlimm als erwartet. Von Erzaehlungen hatten wir ein richtiges Konvoi-Fahren erwartet, das war es ueberhaupt nicht.
Was gab es entlang der Milford Road? Seen, in denen sich Berge spiegelten, ein Tal voller mystischer Morgen-Nebel-Stimmung, Wasserfaelle, Zauberwald, Aussichtspunkte: Wir brauchten alles in allem fuer die 120 km 5 1/2 Stunden, obwohl wir grossteils zwischen 80 und 100 km/h fuhren. Hier ein kurzer Stop, dort ein kurzer Walk, da ein ein wenig laengerer Walk - schon die Fahrt hinaus empfand ich als abwechslungsreich und sehr schoen.
Im Sound selbst gibt es dann fast nichts zu tun: Dort steht ein Riesen-Anleger, an dem 5 (!) Firmen ihre Cruise-Ships stehen haben und im Schnitt alle halben Stunde eine 1,45 - 2,5 h lange Cruise ablegt. Ein Kaffeehaus. Ein Hotel. Etwas abseits der Flughafen, von dem manchmal im Minuten-Takt die Flieger fuer die 10-Minuten Rundfluege abheben. Noch ein wenig abseits eine Art Hafen, wo Crayfish-(Lobster)-Fischer arbeiten, und noch ein paar Meter weiter unsere Unterkunft. Und das ist es.
Wir machten also brav unsere Rundfahrt ueber den Fjord - auch dieser Tag war uebrigens einer voll strahlendem Sonnenschein, voellig untypisch fuer diese Gegend, es liegt allerdings an diesem Sommer generell und nicht daran, dass wir einen aussergewoehnlichen Tag erwischt hatten -, und der Milford Sound, der ist ganz anders als der Doubtful Sound: Ein gerade Schlauch, wie oben schon erwaehnt 19 km lang, keine Verzweigungen. Wesentlich weiter als der Doubtful, dafuer steigen die Berge, die ihn umranden, steil auf 1400 bis 1800 m auf, und das wirkt ziemlich gigantisch, spektakulaer. Der Milford Sound, der ist atemberaubender, aber im Prinzip ist sein einer, beruehmter Ausblick jener auf dem Mitre Peak. Der ist auch so ein Blick, an dem man sich nicht sattsehen kann, aber es ist eben nur einer. Eigentlich wirkt der Milford Sound von seinem Endpunkt aus am besten - der Doubtful hat viele schoene Flecken.
Auf jeden Fall blieben wir eine Nacht in Milford Sound, und am naechsten Morgen (Tagwache 7:30) machten wir noch eine Sea-Kayak-Tour ueber den Sound, damit wir diesen Herzenswunsch von Karin - Kayaken gehen - auch endlich erledigt haben
War auch eine sehr schoene Erfahrung, dabei sieht man halt mehr die Details: den Uferbereich, die 10.000 der Millionen Sandflies, einen Wasserfall. Die Tour dauerte alles in allem fast 4 Stunden, und es war doch ziemlich anstrengend, vor allem die zweite Querung des Fjordes, als doch schon ziemlich viel Wind ging.
Nach der Tour beobachteten wir noch den unglaublichen Verkehr am Flugfeld, sahen Gatschhupfern und Helikoptern beim Starten und Landen zu, und fuhren dann doch relativ diretissima - nur ein Stop - wieder zurueck nach Te Anau. Denn die Milford Road ist eine 120 km lange Sackgasse von Te Anau weg, der Weg rein ist auch der hinaus.
Das waren also die zwei Fjorde - jeder auf seine Art sehr schoen, auch wieder Tage voller Sonne, Wind und Wasser, die wir einfach nur genossen haben, an denen alle Gedanken ausser Genuss weggeblasen wurden. Und schon wieder 3 min vor Sperrstunde - damit endet dieser Bericht wieder ohne Korrekturlesen. Mehr demnaechst in diesem Theater.
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WOWOWOW!