Invercargill – back to civilization

Wir haben die Catlins hinter uns gelassen, diese entlegene Gegend Neuseelands, in der wir schon einmal an einem Schild „Internet – 6 km“ vorbeispaziert sind und durch Orte kamen, die auf Karins Karte einen Namen hatten, im Durchfahren von uns aber gar nicht wahrgenommen wurden. Den letzten Supermarkt gab es genau in jenem Ort, von dem wir zuletzt geschrieben haben, danach haben wir nur noch zwei Mini-Stores der Sorte: 2 Packungen Baked Beans, 2 Packungen 2-minute-Noodles, 2 Packungen Spagetthi lagernd, Oeffnungszeiten taeglich 12-17 Uhr gesehen. Es waren nur 2 1/2 Tage seit unserem letzten Eintrag, trotzdem habe ich das Gefuehl, dass wir ewig durch entlegene Landstriche gegondelt sind – und das meine ich keinesfalls negativ, es waren wunderbare Tage.

Die Catlins liegen schon ziemlich weit im Sueden. Genaugenommen, absolut im Sueden, denn ich darf vermelden: So weit suedlich wie heute war ich definitiv noch nie. Zum Unterschied von Karin war ich bei meiner „damaligen“ Reise ja sowohl nach Dunedin als auch in die Catlins bis in die Gegend der Cathedral Caves vorgestossen, nur wo genau ich damals uebernachtet hatte, wusste ich nicht mehr.

Ich habe bei obigen Link bewusst etwas nach unten in den Wikipedia-Artikel hinein verlinkt, weil Ihr dort gleich eine Karte seht. Auf dieser Karte ganz unten sind zwei Points mit Pfeil markiert, denen wir heute einen Besuch abgestattet haben, Waipapa Point wegen eines Leuchtturmes, den ich mir aus genetisch bedingten Gruenden anschauen musste (Hafenrundfahrten und Leuchttuerme liegen mir im Blut, da kann ich gar nichts dafuer ;-) ), und Slope Point, der suedlichste Punkt der Suedinsel Neuseelands. Aeusserste Punkte sind meine ganz persoenliche Leidenschaft: Noerdlichste, suedlichste, Dreilaenderecke etc. – man sieht es nicht, dass diese Punkte Extrempunkte sind, aber als alter Geographie-, Landkarten- und Sinnloses-Wissen-Freak liebe ich es einfach, an irgendeinem nichtssagenden Flecken am Arsch der Welt zu stehen und, so wie heute zu wissen, weiter suedlich geht’s auf dieser Insel einfach nicht mehr.

Das Schild im verlinkten Wikipedia-Beitrag ist schlecht zu lesen, darum hier die Daten: Ich befand mich 5140 km suedlich vom Aequator, und nur 4803 km noerdlich vom Suedpol. Wobei ich persoenlich es einen Wahnsinn finde mir vorzustellen, dass es doch noch so weit zum Suedpol ist; wenn ich mir im Kopf eine Weltkarte denke, klebt in meinem Kopf Neuseeland schon so weit unten, dass mir gar nicht bewusst ist, wie weit es da noch hinunter geht, bis die Antarktis auftaucht, von der ich zu Karin nur halb im Spass gemeint hatte, dass wir ja „schnell“ hinunterfliegen koennten. Ich glaube, das werden wir doch bleiben lassen, das dauert wohl doch laenger als die von mir veranschlagten 2-3 Stunden.

Was also haben wir die letzten Tage getrieben? In Owaka, dem 400-Einwohner-Kaff, das ich im letzten Eintrag schon erwaehnte, haben wir zwei Naechte uebernachtet und den Tag dazwischen, nach dem Internet-Cafe, dafuer genutzt, zwei Wasserfaelle und ein „Blowhole“ zu besuchen, das immerhin 140 m vom Meer entfernt liegt, d.h. dass das Meerwasser 140 m lang durch eine Hoehle fliesst, bis es aus diesem Loch spritzt. Wobei es bei uns nicht sehr gespritzt hat, der Tag war nicht stuermisch – beeindruckend war’s allemal. Insgesamt 80 km Fahrt und rund 4 Stunden Spazierwanderungen durch z.T. wirklich wunderbaren neuseelaendischen Regenwald, mit seiner Vielzahl an Farnen, die Karin und ich so lieben, u.a. diese tollen Baumfarne – die obligatorischen Karin- bzw. Gabi-unter-Baumfarn-Bilder folgen hoffentlich: Karin hat neben mir gerade den 2. Computerabsturz verursacht beim Versuch, die 1236 Fotos ihres USB-Sticks zu betrachten (von Bearbeiten und Hochspielen brauchen wir noch gar nicht reden, aber sie wechselt Computer, wird’s probieren).

Am folgenden Tag sind wir weiter die Southern Scenic Route gefahren, auch nur rund 90 km, haben unterwegs Straende, Flussmuendungen, die oben erwaehnten Cathedral Caves und die Mc Lean-Wasserfaelle mitgenommen, die sich als die schoensten bisher gesehenen entpuppt haben, ach ja, die Niagara-Falls of New Zealand kamen dann noch kurz vor unserem Ziel, naemlich Curio Bay.

Curio Bay hatten wir ausgesucht, weil a) die Bay so schoen sein sollte, b) Hectors Dolphins dort nah an der Kueste leben und vom Strand aus zu beobachten sein sollten, c) dort ein versteinerter Wald am Strand liegt, der bei Ebbe zu besichtigen ist, d) es dort einen Backpacker gibt, der versprach, direkt am Strand zu liegen. Und weil das alles so toll klang, hatten wir gleich zwei Naechte gebucht.

Es war auch ein wunderbarer Flecken Erde, der Backpacker lag tatsaechlich direkt am Strand, auch die Delphine waren da. Gleich am Abend machten wir noch einen Strandspaziergang, und da las ich auf den Infotafeln des Department of Conservation, dass es sich bei den Delphinen um eine Gruppe von 20 (!) Tieren handelt, die stationaer in dieser Bay leben und keinen Zuzug von aussen verfuegen, die aber, weil 20 Tiere nicht wirklich viel sind, um ein Ueberleben der Gruppe zu gewaehrleisten, sehr empfindlich auf die Stoerungen durch den verstaerkten Tourismus reagiert. Wobei ich sagen muss: Fuer mein Gefuehl war dort sehr wenig los, die Catlins sind wahrlich nicht ueberlaufen, aber es waren doch, zu jeden Zeitpunkt, wenn ich hinausgeschaut habe, zwischen 3 und 10 Personen im Wasser, die darauf hofften, dass die Delphine mit ihnen schwimmen wuerden, am naechsten Morgen auch Surfer und ein Boot. Ich hatte urspruenglich ueberlegt, ob ich auch baden gehen sollte, um die Chance auf eine Begegnung mit einem Delphin zu haben, trotz der Wassertemperatur von 16 Grad und der Lufttemperatur in den niedrigen 20ern, aber angesichts der Information ueber die oekologische Auswirkung, naemlich moeglicherweise niedrigere Fortpflanzungsrate, habe ich dies Ueberlegung leichten Herzens wieder ad acta gelegt. Wir werden voraussichtlich am Ende unserer Reise noch ein paar Tage auf der Banks-Peninsula bei Christchurch verbringen, dort gibt es diese Delphine auch, und sollten die Delphine dort weniger gefaehrdet sein, kann ich das dort immer noch tun.

Auch die Aussichtsplattform beim Versteinerten Wald haben wir uns, trotz Flut, noch am selben Abend gegeben, vom Wald war – natuerlich, das wussten wir – nichts zu sehen, dafuer watschelten gerade wieder zwei Yellow-eyed Penguins ueber die Steine: Jedes Mal wieder entzueckend, obwohl wir bei unserer Wildlife-Tour schon 26 (!) Tiere gesehen hatten.

Auf jeden Fall beschlossen wir nach diesem Spaziergang, doch nur eine Nacht zu bleiben: Wir hatten das Gefuehl, eh gerade erst sehr gemuetlich unterwegs gewesen zu sein, und einen weiteren Tag so geruhsam, mit nur wenig zu tun/besichtigen, wollten wir doch nicht mehr anhaengen, obwohl der Ort wirklich schoen war. Aber beim Nachrechnen hatten wir auch festgestellt, dass wir schon 3 unserer 9 Reservetage verbraucht haben wuerden, wenn wir diese zweite Nacht anhaengen, und so sind wir doch schon heute nach Invercargill weitergefahren.

Die heutigen zwei Stops habe ich schon ganz oben beschrieben; beim Waipapa Point sind wir ziemlich lange am Strand entlangspaziert, der bot sowohl eine schoene felsige Kueste, bei der wir, weil Ebbe, von Fels zu Fels hupfen konnten, als auch Sandstrand, und viele, viele, sensationelle Muscheln. Ich schaetze, dass Karin mittlerweile rund 2 kg gesammelt hat. Irgendwann wird Ausmisten angesagt sein … :-)

Ja, und Invercargill – das ist wieder eine Stadt. 50.000 Einwohner, schnurgerade Strassen, eher eine Stadt fuer Autofahrer als fuer Fussgaenger, dabei aber gar nicht unattraktiv. In den meisten Reisefuehrern kommt Invercargill eher schlecht weg, Keith Richards hat Invercargill einmal das „Arsehole of the whorld“ genannt – kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wir sind heute durch einen wunderschoenen Rosengarten gebummelt, die Geschaeftsstrassen, die wir bisher gesehen haben, waren schmuck, und auch durchaus ganz attraktive Haeuser, nicht der neuseelaendische Holzhaus-Einheitsbrei. Heute beim Reinfahren habe ich voller Begeisterung wirklich jedes Schild laut vorgelesen: „7 day dairy“, „Hairdresser’s“, „1000 Video-films“; keine Ahnung mehr, was alles, aber ich war so begeistert darueber, was Zivilisation nicht alles zu bieten hat ;-)

Morgen geht’s dann wieder in die Pampa – und zugleich noch ein wenig suedlicher: Wir fliegen nach Stewart Island. Morgen in der Frueh um 9 Uhr fliegen wir hin, der Flug dauert 20 Minuten, der Tag soll ziemlich schoen werden, da werden wir wohl ein Wassertaxi nach Ulva-Island, der Vogelinsel, nehmen und dort 3-4 Stunden herumspazieren, das soll fantastisch sein. Dann eine Uebernachtung, wir haben angeblich die letzten 2 Betten im letzten Backpacker, der noch Betten frei hatte, ergattert, und am Donnerstag um 18:30 nehmen wir die Faehre zurueck, die 1 Stunde braucht. Danach bleiben wir wieder zwei Naechte in Invercargill, um noch ein wenig von der Stadt und ihrem Umland aufzunehmen.

So, jetzt seid Ihr wieder ausfuehrlichst up to date. Wird ja auch wieder 3 Tage dauern, bis wir uns wieder melden koennen, denn auf Stewart Island wird es wieder ein wenig einfacher. Obwohl es dort grundsaetzlich Internet gibt, wie sagt mein Reisefuehrer: Auf Stewart Island lebt man (= 400 Einwohner) in einem anderen Rhythmus, aber man lebt nicht hinter dem Mond. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

4 Antworten

  1. Miss kiwi die fotos sind spitze und das geblubber von miss pigs ist wie immer sehr efrischend. Niklas sitzt neben mir und schaut zu. Der arme muss jetzt ca. 2 st. englisch übungen schreiben und das jeden tag in die energieferien. Hard life!! Machts nur so weiter. Grüße aus der Waldegghofg.

  2. wow! ich fühl mich fast als „beiwagerl“ ;-) !
    hab sofort auch kiwis und avocados eingekauft, als warad i a in neuseeland! :-)
    weitere schöne zeit wünsch ich euch!!!
    bussi
    andrea

  3. das sind wirklich schöne Berichte. Ihr könntet einen Reiseführer herausgeben – der etwas anderen Art.
    Euch alles Gute und noch viele schöne Erlebnisse.
    T.B.

  4. merci für die schönen Fotos – wirken fast wie Postkarten die Landschaftsfotos

    Wie immer alles Liebe an Euch beide

    Eva

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