Just another Beach

So geht’s: Am Anfang habe ich mich zurueckgehalten, damit Karin auch einmal etwas schreibt, und jetzt ist sie so gierig danach, dass ich gar nicht mehr zu Wort komme. Karin hat ja schon alles berichtet, ich koennte also einfach ins Bett gehen, aber ich stehe auf dem Standpunkt, es macht ja gar nichts, wenn wir beide unabhaengig ueber dieselben Tage berichten - jede von uns setzt ohnehin andere Schwerpunkte in ihren Berichten, und ausserdem weiss ich doch, dass wir mittlerweile ziemlich viele Menschen suechtig nach neuen Berichten gemacht haben, je mehr hier also steht, desto besser.

Also zurueck zum Mount Cook: Wenn Karin schreibt, dass wir gehofft hatten, am zweiten Tag einen Blick auf ihn zu ergattern, dann ist das ein wenig ungenau. Fuer den Tag nach unseren Wanderungen waren Wolken und Regen angesagt, und da sich das Wetter bisher ziemlich exakt an die Vorhersagen gehalten hat, war es maximal ein kleines bisschen “hope against hope”, dass vielleicht in aller Herrgottsfruehe, wenn wir bekanntlich aufstehen, der Himmel doch noch klar ist. Aber wirklich darauf gehofft hatten wir nicht, zumindest ich nicht. Im Gegenteil: Wir hatten ja unsere Wanderung das Hooker Valley hinauf schon abgekuerzt: Nach der zweiten Haengebruecke, als der Weg primaer den tollen Blick auf den Mount Cook zu bieten gehabt haette und wir feststellten, dort, wo selbiger thront ist ausser Nebel nur Nebel, haben wir umgedreht und lieber doch schon die eigentlich fuer den naechsten Tag vorgesehene Wanderung zum Tasman Glacier Lake angehaengt.

Das war vielleicht eine Mondlandschafts-Wanderung; ich hoffe, Karin wird in ihrer naechsten Fotoschau etwas davon reinhaengen. Im Glacier Lake selbst schwammen weiss-graue Eisberge, und am Ufer lagen vertaeut 4 gelbe Schlauchboote, die in der gespenstisch-ausserirdisch-grauen menschenleeren Landschaft der einzige Farbtupfer waren - ein genialer Anblick.

Am naechsten Tag, wie gesagt, trotz unserer zeitigen Tagwache um 9:30 schon dichte Wolken, und genau, als wir losfuhren, begann es zu regnen. Das war unser einziger Regentag bisher: eigentlich ziemlich optimal gelegt. Wir haben zwar daher die kurzen Wanderungen zu einem Wasserfall hier und Kreidefelsen dort unterwegs gespritzt, aber das hat mich ohnehin nicht sehr gestoert: Aus irgendeinem kuehlen Grunde tut mir seit den zwei kurzen Wanderungen am Mount Cook die Gegend rund um die rechte Achillessehne weh, und ich habe keine Ahnung warum. Meine Wanderschuhe, mit denen ich ohne Probleme die 8 Stunden des Tongariro Crossing marschiert bin (und auch schon kilometerweit in Oesterreich) haben mich beim Mount Cook genau dort gedrueckt. Der linke Fuss ist in Ordnung, am rechten kann ich seit jenem Tag nicht einmal meine Gymnastik-Patscherl anziehen, die ich als Hausschuhe mitgenommen habe. Es ist zum Sp…en. Die ersten zwei Tage habe ich Sportsalbe draugeschmiert (kuehlend), seit gestern schmiere ich Traumasalbe (waermend) in der Hoffnung, dass irgendetwas das wieder in Ordnung bringt. Eine boese Zunge behauptet ja, ich haette das alles inszeniert, um mich vor der 3-Tages-Wanderung auf Stewart Island zu druecken, die, zugegebenermassen, der Teil der Reise ist, dem ich am skeptischsten gegenueberstehe. Aber ich schwoere: bewusst will ich die nicht boykottieren. Liest irgendein Arzt mit, der eine Idee hat, was ich mit meiner Ferse anstellen koennte, um das wieder in Ordnung zu bringen?

Wie auch immer, als wir in Oamaru ankamen, hat es auch zu regnen aufgehoert, so dass wir diese Stadt noch durchbummeln koennten. Mit Oamaru ist es wirklich interessant: Dort gibt es eine Kalkstein-Art, mit der sich sehr kunstvoll bauen laesst, und Mitte/Ende des 19. Jh. wurde daher in Oamaru damit sehr kunstvoll gebaut, auch, um sozusagen Werbung fuer diesen Baustoff zu machen. Das fuehrt dazu, dass der Stadtkern Oamarus wirklich ganz, ganz anders ausschaut als alle anderen neuseelaendischen Staedte: Man faehrt den Highway hinein, und zuerst reiht sich einstoeckiges Holzhuettel an Holzhuettel, wie das halt in Neuseeland so ueblich ist, und auf einmal steht da Steinbau neben Steinbau neben Steinbau, alles in diesem speziellen Weiss, mit Saeulen und weiss-der-Geier-was-alles. Davon wird’s allerdings ziemlich sicher keine Bilder geben, denn Karin ist mehr die Naturfotografin.

Nichtsdestotrotz kann ich gleich ankuendigen, dass es auch keine Fotos von den Pinguinen geben wird: Bei den Blauen Pinguinen war Fotografieren vollstaendig verboten, was ich gut verstehen kann, denn irgendein Idiot verwendet dann garantiert Blitzlicht, und es ist ohnehin erstaunlich genug, dass ich diese netten Tierchen nicht daran stoeren, dass sie - mitten in der Nacht - gelblich beleuchtet werden, dass zwischen 200 und 400 Menschen auf einer Tribuene sitzen und dass da doch ein ziemlicher Wirbel ist, auch wenn die “Staff” immer wieder um Ruhe bittet.

Und die Gelbaugen-Pinguine, tja, da war’s zwar hell und Karin haette fotografieren koennen, aber die waren doch ziemlich weit weg. Aber wie Karin schon geschrieben hat: Wir sehen sie noch mindestens 1 x, denn fuer uebermorgen haben wir hier, in Dunedin, bereits eine Tour auf die Otago-Peninsula gebucht, bei der wir u.a. sowohl zur Brutkolonie von Albatrossen als auch zu einem Strand, an dem die Pinguine brueten, gebracht werden. Ich bilde mir ein, das ist die Tour, wie ich sie damals schon gemacht habe, da schleichen wir uns, glaube ich, wirklich nah an. Ob da fotografieren moeglich ist, weiss ich nicht, immerhin bruestet man sich damit, die Tiere nicht stoeren zu wollen. Duerfte man auch gar nicht, Karin hat’s erwaehnt: Es ist eine der seltensten Pinguinarten der Welt, am neuseelaendischen Festland leben gerade noch einige 100 Individuen, und auf die bilden sie sich wirklich einiges ein und haetscheln sie.

Und heute, heute sind wir dann, eigentlich ohne Plan, Richtung Dunedin gegondelt. Dadurch, dass wir gestern ja schon die Moeraki-Boulders gemacht haben, die auf ungefaehr 1/3 des Weges nach Dunedin liegen, und am Weg dorthin schon einige schoene Plaetze, und zwar lauter Straende, quasi “mitgenommen” haben, haben wir fuer heute gesagt, wir nehmen die Hauptstrasse bis zu den Boulders, denn da kennen wir die schoenere Umfahrungsstrecke schon, und danach bleiben wir einfach stehen, wo’s uns gefaellt. Das war dann als erstes der Katihi-Beach, von dem Karin, als wir darauf losspazierten, noch meinte “oh well, just another beach, ein Strand halt”: Ist es nicht grausam, dass wir schon so Strand-verwoehnt sind? Da hab’ ich ehrlich an Euch alle gedacht, die Ihr wahrscheinlich entruestet aufgeschrien haettet ob dieser Geringschaetzung dieses sich in beide Richtungen erstreckenden, herrlichen Sandstrandes. Aber die Geringschaetzung legte sich ein wenig spaeter, als Karin naemlich durch den Fund einer wunderbar kompletten Riesenmuschel auf den Sammel-Geschmack kam. Und so haben wir beide munter gesammelt: ich war auf der Suche nach dem perfekten Stein, und weil es keine perfekten aber viele Steine gibt, die fast perfekt sind, sammelte ich doch mehrere, Karin war auf der Suche nach der perfekten Muschel, und weil sie die nicht fand, hat sie kiloweise schoene Muschelsplitter gesammelt, und einige fast perfekte Steine obendrein. Wenn wir also am 10. Maerz unsere Rucksaecke in Richtung Flughafen schleppen und uns stoehnenderweise fragen werden “Was haben wir da eigentlich drinnen, Steine?”, dann, ja dann, werden wir diese Frage guten Gewissens mit “ja” beantworten koennen und wenigstens wissen, warum unsere Rucksaecke so sau-schwer sind.

Verlassen haben wir den Strand mit Karins Aussage “das war ein guter Strand” - aus just another beach wurde also doch ein besonderer Strand.

Dann stoppten wir noch bei Shag-Point, der Spitze einer Halbinsel, auf der es eine Seehund- und/oder Robben-Kolonie gibt - so ganz klar ist mir noch nicht, ob das englische “seals” Robben oder Seehunde sind, und was eigentlich der Unterschied zwischen den zweien ist, wenn es denn einen gibt. Im Zoo gehe ich an den Viechern jedenfalls immer vorbei, weil ich die Faszination kleiner Kinder an diesen einfach nur im Kreis rumschwimmenden Gestalten ueberhaupt nicht nachvollziehen kann: Heute sassen wir ziemlich ewig und sahen den Tieren beim Sonnenbaden und Schwimmen zu. Das hatte etwas unheimlich Beruhigendes, fast Meditatives. Und ziemlich nah waren wir manchmal auch noch: ich wuerde sagen, an der einen Stelle waren wir gerade ‘mal 10 bis 20 Meter von der naechsten Robbe entfernt. Das ist schon ein tolles Gefuehl.

Tja, und derart gondelnderweise sind wir erst gegen 16:30 in Dunedin eingetroffen. Haben unser bisher bequemstes Zimmer bezogen, in einem wirklich netten, kleinen Backpacker, und Dunedin hat sich auch gleich so freundlich praesentiert - heute ist chinesisches Neujahr UND Waitangi-Tag, das ist ihr Staatsfeiertag, daher war am Oktagon, dem Zentrum von Dunedin High Life mit Fress-Staenden, Musik, Vorfuehrungen, dazu noch der wirklich strahlende Sonnenschein, und bei der Wettervorhersage vor der Visitor-Information war selbiges Wetter auch fuer morgen und uebermorgen eingetragen - dass wir beschlossen, unseren ersten Reservetag in Dunedin einzuschieben. Also werden wir 3 Naechte hier verbringen - der pure Luxus.

Morgen wollen wir durch die Stadt bummeln, ev. ein bisschen (window-)shoppen, vielleicht ins Otago Settler’s Museum, in den Botanischen Garten, nach St. Kilda zu den Haus- und Hofstraenden der Dunediner (tja, … just another beach), und uebermorgen gibt’s dann die oben schon erwaehnte Wildlife Tour auf die Otago Peninsula.

Wir werden weiter berichten.

Karin ist heute uebrigens schon ins Bett gegangen, heute wird’s also nichts mit der Fotoschau. Der Computer hier bietet aber die Moeglichkeit, die Bilder rueberzuspielen, sobald Karin also ‘mal den Computer ergattern kann, gibt es sicher Fotos. Nur wann das sein wird, ist schwer zu sagen - heute Abend habe ich etwa 3 Stunden lang auf das Kast’l gelauert, und jedes Mal, wenn ich wieder schauen gekommen bin, sass wer anderer davor, dabei hat der Backpacker nur 12 Betten oder so. Das ist der Nachteil von Gratis-Internet; wenn’s etwas kostet, fassen sich die Leute doch etwas kuerzer. Ich ja auch. Obwohl … hab’ ich mich schon jemals kurz gefasst? STOP.   ;-)

5 Responses to “Just another Beach”

  1. Na was ist denn jetzt los - dachte ich mir kurz vor dem Mittagessen, als ich Eure Seite aufrief. Kein Bericht?! Kein G’schichtl?! Das kann doch nicht wahr sein!!!!
    Aber nun bin ich beruhigt. Da seid Ihr ja wieder!
    Offensichtlich hast Du liebe Gabi eine produktive Mitternachtsstunde gehabt.
    War mal interessant die selben Reisetage von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus zu betrachten. Auf jeden Fall wieder amüsant und spannend.
    Liebe Grüße - und Bussi an mein Mädchen - hs

  2. Hi, Mädels,

    ich tu jetzt mal was für Eure (und meine) Bildung:

    Robben sind eine Gruppe von zum Wasserleben übergegangenen Raubtieren. Dieserne unterteilen sich in drei Familien:

    Ohrenrobben (otariidae)
    Walrosse (Odobenidae)
    und Hundsrobben (=ugs. Seehunde) (Phocidae).

    Die richtige wissenschaftliche Begriff für Robben im Englischen scheint Pinniped (von lat. Pinnipedia, übersetzt “fin-feeted”=Flossenfüßer oder winged feet=Flügelfüßer). Quelle Wikipedia.

    Seal scheint mehr ugs. zu sein, und umfaßt Robben und Seehunde. Denn es gibt eared seals (=Ohrenrobben) und True seals (=Hundsrobben bzw. Seehunde).

    Wenn Ihr eine trefft, könnt Ihr sie ja dann fragen, ob sie lieber seal oder pinniped genannt werden will.

    Lg
    M.

  3. Hallo Gabi!

    Danke (im Namen von unseren Firmen), daß Du Rücksicht nimmst auf die Leute die auch noch was arbeiten sollten…

    Deine Beiträge kann (darf?) man leider nur zuhause in aller Ruhe lesen, und wir kommen somit nicht in Versuchung das Internet in der Firma zu benützen… ;-)

    Aber Ihr gebt uns einen Extragrund, so schnell wie möglich nach Hause zu fahren…

    LG,
    Martin

  4. Danke für euren tollen Bericht. Was deine Achillesferse betrift, könnte es sein das sich diese entzündet hat. Probiers vielleicht nochmals nur mit kühlen( nächtens). Untertags würde ich eine 8er Schleife zur stützung empfehlen. Dieses sollte eigentlich helfen. Es geht allerdings nicht über Nacht.

    Gute Besserung und voller erwartung auf einen neuen Bericht.

    lg
    speter

  5. wie immer alles sehr informativ - lustig - Gschichtln halt :-)

    schön dass wir trotz der langen Zeit wo Ihr fern seid doch so nah sein dürfen

    Alles Liebe und Gute weiterhin für Euch beide

    Eva

Leave a Reply