Grundsaetzlich haben wir, von ganz wenigen Unterkuenften abgesehen, uns fast ueberall wohlgefuehlt. Unsere spontane Reaktion beim Ankommen war zuallermeist ein freudiges „ja, schoen“; genaugenommen glaube ich, dass wir uns bei maximal 5 Unterkuenften ein wenig resigniert in ein „naja, fuer eine Nacht ist’s ok“ gefluechtet haben, und die zwei schlimmsten davon habt Ihr ja bereits kennengelernt.
Ein Glueck hatten wir auch insoferne, als die Unterkunfts-Highlights unserer Reise erst im spaeteren Verlauf unserer Reise auftauchten; so erging es uns also die ganze Reise so, dass wir immer wieder in eine Unterkunft kamen, wo uns irgendein Detail Riesen-Freude machte. Es waren naemlich ganz oft nur Details, oder ein Faktor, der herausragte, die uns fuer eine Unterkunft eingenommen haben.
Z.B. dieser Backpacker hier, der Vagabond BP in Christchurch. Da war es die Tatsache, dass es sich um ein eher verwinkeltes Holzhaus handelte, eher klein und familiaer, eben sogar mit dem „ehrlichen Internet“, und das in einer Stadt, wo man oft eher grosse, unpersoenliche BP findet. Deswegen hatten wir gleich, als wir vor ueber 5 Wochen eine Nacht hier verbrachten, auch die letzte Nacht fuer hier gebucht. Jetzt meinen wir schon, naja, so besonders ist er gar nicht, aber fuer eine Stadt durchaus ok. Was hier noch erwaehnenswert ist: Jeden Tag um 8 Uhr Frueh werden zwei frischgebackene Laibe Brot in der Kueche deponiert – zur freien Entnahme. Brauche ich eh nicht zu erwaehnen, dass um 8:15 alles ratzfatz weg ist, oder?
In Oamaru uebernachteten wir im Chillawhile BP, doch wir nennen ihn im Gespraech immer „bei Kelly“. Ein historisches Haus sogar (18irgendwas), und das Besondere war die Tatsache, dass die Inhaberin, eben Kelly, nicht nur auch dort wohnte, sondern wirklich mit ihren Gaesten dort wohnte. Da gab es eigentlich keinen Bereich, der privat wirkte oder gar als solcher gekennzeichnet war: Sie hatte, mit ihrer etwa 4-jaehrigen Tochter, das Zimmer mit der Nummer 5, welches gleichzeitig das Office war, wenn sie unterwegs war, haengte sie eine Tafel an die Tuer, sonst klopfte man einfach an. Als wir ankamen, stellte sie sich und ihre Tochter mit Namen vor, nahm sich ausfuehrlich Zeit uns Tips zu geben, was wir uns alles anschauen sollten, und zwar durch ihre grosse Leidenschaft, die Kunst gepraegt: Das Geburtshaus von der Autorin sowieso, die Halbinsel, auf der jene Autorin in einem Heim fuer Geisteskranke lebte, die Gallerie, in der Scott arbeitet, der ihrer Meinung nach am schoensten von allen schnitzt, etc. Und das Haus war nicht nur Backpacker, sondern auch Gallerie: Sogar im Badezimmer stand noch irgendein Kunstwerk aus Metall rum, in unserem Zimmer sowieso. Schluessel zu den Zimmern gab’s keine; um in unser Zimmer zu gelangen, mussten wir durch das „Cinema“ durch, in dem jeden Abend ein Film an die Wand geworfen wurde, und da luemmelten dann 10 – 20 Personen im ganzen Raum rum. Kelly machte dann auch schonmal Popcorn fuer alle und ging davor durch’s ganze Haus, dass sie jetzt in Kuerze anfangen wuerde. Es gab dann noch 3 weitere Gemeinschaftsraeume, mit Klavier und – intelligenten! – Buechern, Luemmelsofas und -poelstern und: 2 internet-faehige Computer mit gratis Internet, samt der Information: The internet is free because it should be.
Also sehr kuenstlerisch-alternativ, ihr Lebensstil eben, den sie in allem ausdrueckte. Dafuer vielleicht nicht 100-%ig sauber, fuer meine Beduerfnisse reichte es zwar, aber eine Deutsche, die sich allerdings fuer einige Wochen dort einquartiert hatte, mokierte sich darueber, dass Kelly eben nicht dahinter war, ob jetzt wirklich jeder sein Geschirr abwusch oder nicht.
In Owaka stiessen wir erstmalig auf ein Self-Check-In: Wir hatten angerufen und ein Zimmer reserviert, da hatte er Karin am Telefon beschrieben, welches Zimmer es sei, und als wir ankamen stand da die Tafel, auf der sinngemaess stand: „Hallo, komm herein und schau Dich um. Auf den Tueren steht, welches Zimmer frei ist. Wenn Dir ein freies gefaellt, markiere das Zimmer als belegt, ich komme dann irgendwann am Abend vorbei und schaue, ob alles in Ordnung ist.“ Unser Zimmer war als belegt markiert, ausserdem noch genau ein weiteres, und am Abend kam Brian auf einen Schwatz und kassieren. Das Highlight im Zimmer waren die Heizdecken – die wir am ersten Abend auch verwendeten.
In Invercargill das Southern Comfort gefiel uns auch, weil es gemuetlich verwinkelt war; Ueberall standen Vasen mit Lilien, das ganze Haus duftete danach. Vorne ein schoener Garten, hinten ein gemuetlicher Garten, der Name „Comfort“ war Programm – ob drinnen oder draussen, ueberall konnte man es sich gemuetlich machen. Ausserdem stiessen wir erstmalig auf einen Geschirrspueler! Notiz darueber: „Du hast Urlaub, Du brauchst nicht abzuwaschen!“ Nett auch das Handling des Internets: Honesty-System, und die erste halbe Stunde gratis, denn E-Mail-Kontakt mit daheim gehoert zu den Grundbeduerfnissen. Der zweite Geschirrspueler ist hier im Vagabond – der ist uns erst diesmal aufgefallen, beim ersten Mal noch nicht, aber da hatten wir auch noch nicht wirklich gekocht.
Southern Comfort gefiel uns so gut, dass wir fuer nach Stewart Island auch reservierten, doch da quartierte uns der Inhaber, Willie, stattdessen in seinem Privathaus ein, wo er auch 3 Zimmer zu vergeben hatte. Wie anders seine Einstellung zu der von Joey: Es gab zwar, zusaetzlich zum allgemeinen Wohnzimmer, ein als privat gekennzeichnetes Wohnzimmer, aber am 2. Abend beim Abendessen und am letzten Morgen beim Fruehstueck sass er mit uns in der Kueche und plauderte mit uns. Unser Zimmer war sein Buero, am ersten Morgen wollte er um 9 Uhr mit seiner Tochter telefonieren, die gerade in Irland lebt, und weil wir bei 9 Uhr ein wenig ungluecklich dreinsahen, verschob er das Gespraech auf 9:30. Es war zwar einerseits ein wenig unangenehm, um 9:30 fix und fertig sein zu muessen, also kein Zimmer zu haben, das wirklich unseres war, obwohl wir ein Twin bezahlt hatten, aber die Entschaedigung dafuer war, dass wir jederzeit einen Privatcomputer zur Verfuegung hatten (natuerlich nach Rueckfrage, ob das ok ginge). Bei Willie hatten wir das Gefuehl, dass er es durchaus geniesst, dass er Menschen im Haus hat, mit denen er tratschen kann, aber nicht muss.
In Manapouri waren wir in einem Holiday Park und hatten wieder eine Cabin gemietet, und dieses Huetterl war so liebevoll eingerichtet, Karin hat bereits ein Foto davon gepostet, wir haben uns in das Huetterl sofort spontan verliebt. Davor hatten wir, nach unseren Erfahrungen im Glentanner Holiday Park, ein wenig Bedenken, weil wir dort zwei Naechte gebucht hatten, aber kaum waren wir eingezogen, sassen wir schon begeistert auf unserer Couch und jubelten: Joeh, und wir haben zwei Naechte hier in unserem Chalet!
In Wanaka uebernachteten wir in der Purple Cow, und dieser wirklich grosse Backpacker, ich glaube, ueber 100 Betten, hat in jeder Hinsicht ueberzeugt. Schoene Zimmer, die erste Nacht hatten wir ein 4-er Share, weil kein Doppel mehr freigewesen war, die zweite Nacht ein Doppelzimmer, beide mit eigenem Bad, obwohl wir kein Ensuite-Zimmer gebucht (und auch nicht bezahlt) hatten. Ensuite steht fuer eigenes Badezimmer, normalerweise heisst es immer mitbenutzen – nicht in der Purple Cow. Die Kueche, der Aufenthaltsraum, alles top und praktisch eingerichtet und ausgestattet, dazu noch auffallend sauber und gepflegt. Es gab einen Fernsehraum, jeden Tag um 19:30 wurde ein Film per Beamer an die Wand geworfen, also quasi 1 x taeglich Kino. Die Lage des BP auch wunderschoen: Theoretisch nur 3. Reihe vom See, aber alle Parzellen davor unverbaute Wiese, somit Fruehstueck mit weitem Blick ueber den See. Das Motto „Purple Cow“ war in einigen Details wie z.B violetten Badetuechern umgesetzt. Die Rezeption super hilfsbereit: Obwohl der BP selbst Internet hatte, empfahl sie uns, lieber in ein bestimmtes Internet-Cafe zu gehen, weil es dort schneller und billiger sei. Wurde von uns im BBH-Bewertungsbogen (Ihr erinnert Euch? Die %-Bewertungen? Wir waren am Stichtag in einem BBH-Backpacker und nahmen daher an der heurigen Umfrage teil) mit der Hoechstnote 10 bewertet.
Bemerkenswert war fuer mich dann noch der Manager des Backpackers in Haast, der ihn aeusserst, na, nennen wir’s einmal, resch fuehrte. Kuechenschluss war um 22 Uhr, und um 5 nach, als noch eine Japanerin zu kochen begonnen hatte, rauschte er in die Kueche, meinte: „Ist das zu viel verlangt? Ich habe es Dir gesagt, gleich, als Du eingecheckt hast. Es ist eine Frage der Ruecksichtnahme auf den Gast in Zimmer 1. Get rid of it!“ und zwang sie, den gerade erst vor sich hinkoechelnden Reis wegzuraeumen. Ich fand seine Art zwar ein wenig unprofessionell (Vorwuerfe der Art „ich arbeite 16 Stunden am Tag, da schau Dir den Dreck an, ich muss das alles putzen!“, und er hatte die 10-Uhr-Regel auch nirgends stehen, wirklich nur beim Einchecken erwaehnt, und Karin z.B. hatte das gar nicht wahrgenommen), aber die Tatsache, dass er vehement einforderte, was er als Regel aufgestellt hatte, fand ich gut. Das haette ich mir oefters ‘mal gewunschen.
Der BP in Franz Josef war guter Durchschnitt, bot aber zwei Specials: Jeden Tag um 18 Uhr gab’s gratis Suppe, und jedes Zimmer hatte Fernsehapparat samt Videorekorder. Die Kassetten gab’s bei der Rezeption einfach zur freien Entnahme: „Heutzutage stiehlt niemand mehr VHS-Kassetten.“
Ueber die Jugendherberge Okarito habe ich alles gesagt, und das naechste Highlight, ebenfalls eine glatte 10, war der Old Church Backpacker bei Ross. Erstens die Lage: In the Middle of Nowhere, 16 km vom naechsten Ort entfernt, gleich neben einem Fluss. Hinten raus aus dem BP ging’s in einen grossen Garten, der direkt ins Flussufer und in die Wildnis ueberging. Die alte Kirche ein schoener Bau von aussen, innen liebevoll umgebaut, gemuetlicher Aufenthaltsraum mit offenem Feuer, Pool-Tisch, riesige Schallplattensammlung, kein Fernsehapparat = Riesen, riesen Plus! Der Manager, Frank, emegrierter Deutscher, stellte alle Gaeste einander vor, sorgte also dafuer, dass man von jedem, mit dem man das Haus in dieser Nacht teilte, zumindest schon einmal den Namen gehoert hatte. Er lebte auch vor Ort, war mittendrin, redete staendig und mit jedem. Damit entstand ein besonderes Gefuehl von „Wir, die wir heute hier wohnen“ und eine Atmosphaere, in der wie von selbst kommuniziert wurde. Ausserdem war Frank staendig am Wischen, Raeumen, Feuermachen etc., alles wirkte gepflegt, sauber, heimelig. Und dann noch ein spielefreudiger Hund im Garten und ein junges, ebenfalls spielefreudiges Kaetzchen drinnen – sehr, sehr, sehr gemuetlich.
In Punakaiki bestand das Te Nikau Retreat aus mehreren Haeusern, den Lodges, die, jedes fuer sich, mitten im dichten Regenwald lagen und jeweils eigene Kueche und Aufenthaltsraum hatten. In jedem Haus um die 10 Personen, wieder kein TV, sprich sehr kommunikationsfoerdernd. Wir verbrachten einen verregneten Tag nahezu komplett in unserer Rata Lodge, und es war wirklich idyllisch, aus diesem Haeuschen in den dichten Regenwald zu schauen und sich zu freuen, dass wir da nicht rausmuessen.
Das Lodge-Prinzip begegnete uns dann noch einmal in Arthur’s Pass, auch dort kein Fernsehapparat, stattdessen ein Feuer, und gemeinsam vor’m Feuer sitzend kommt fast zwangslaeufig ein Gespraech in Gange. Erwaehnten wir schon, dass die Amerikanerin, die beide Naechte mit uns im Mountain House logierte, gerade von einem 4-monatigen Arbeits-Aufenthalt in der Antarktis zurueckgeommen war? War sehr interessant, da ein bisschen etwas darueber zu erfahren. Allerdings haette uns Jean wohl in jedem Backpacker angesprochen, sie war aeusserst kommunikativ, aber auf angenehme Weise. Aber das nur am Rande …
Und die letzte glatte 10 war das Global Village in Greymouth. Die Stadt Greymouth gibt ueberhaupt nichts her, aber der Backpacker selbst ist es meiner Meinung nach wert, dort einen Zwischenstop zu machen. Wieder ein groesserer Backpacker, rund 70 Betten, auch hier alles top gepflegt und sauber, und das Besondere war das Thema. Denn der gesamte Backpacker war afrikanisch angehaucht eingerichtet: afrikanische Kunst an allen Waenden, auch in jedem Zimmer. Farbenfroh, in orange, gelb mit Brauntoenen gehalten. Im Aufenthaltsraum eine Riesen Landkarte von Afrika, im Waschraum standen Waschbecken auf einem langen Tisch, ach, was rede ich lang, hier kriegt Ihr einen Eindruck, wenn Ihr einen wollt.
Ja, das waren also die Highlights. Worauf ich mich schon freue, wenn ich nicht mehr backpacke? Auf ein Badezimmer, in dem nur ich mich dusche und es daher trocken ist, wenn ich hinkomme, dass ich mein Toilett-Zeugs wo stehen habe und nicht immer mitschleppen muss, vor allem meinen Kontaktlinsen-Behaelter, der dann wieder trocknen kann und nicht immer nass wieder eingepackt werden muss, und: dass ich nicht immer mein Bauchtascherl mit den Wertgegenstaenden bei mir haben muss.
Abgelegt unter: Land und Leute | Kommentar schreiben »